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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 allen deinen Handlungen habe Gott vor Augen." (Berachoth 63a.) In diesem Gedankenmeer, das uns überall umgiebt, in diesem Meere der Erkenntnis, in diesem stummen Reiche, in dem unsere Gefühle leben, sich ergehen, durch das das ganze Gemütsleben sich veredelt, liegt der Funke, der Begeisterung in dem Herzen anfacht und die Gluten in unserm Innern entzündet, die Liebe entfesselt, diesen Lebensknoten, in dem das ganze Wesen Zusammentritt, das Ebenbild Gottes in uns sich offenbart. Da sieht das Auge, da hört das Ohr und das Herz schlägt so laut, so klar, die Seele flüstert: „Der Herr, ja der Herr ist der Gott der Güte und der Milde, er ist langmütig und voll der Huld und Wahrheit." (2. M. 34, 6.) Dann ruft es in unserem Inneren: „Höre Israel, der Ewige dein Gott ist Echod. Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen. Die Worte, die ich dir heute befehle, sollen leben in deinem Herzen, schärfe sie ein deinen Kindern. Sprich davon, wenn du zu Hause sitzest, wenn du auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest, wenn du aufstehst. Knüpfe sie als Zeichen an deine Hand, sie seien als Stirne-Binde zwischen deinen Augen und schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Thore." (5. M. 10, 12.) Allein wer will eindringen in dieses Riesenwerk, wer bewundern die Allmacht Gottes, wenn die Erscheinungswelt an ihm vorbeizieht und sein Leben nicht trifft, in seinem Herzen den Strom der Gefühle nicht weckt, seine Seele nicht erhebt und die Liebe, jenen himmlischen Funken, schlummern läßt, tief verborgen im Wesen. „Aber was sind Gedanken allein in der Seele, wenn das Herz nicht fühlt, nicht empfindet? Ein Schatzmeister, dem die Schlüssel zur wunderbaren Schatzkammer unserers Gefühlslebens fehlen. Wie will er hinein?" (Sabbath 316 a.) Rur Erkenntnis und das erhabene Gefühl gleicht einem Künstler mit dem Werkzeug in der geiibten Hand. Wer dagegen blos sündenscheu ist, der hat das stumme Werkzeug nur, dem der Künstler fehlt." (Aboth Jer. Nathan 22.) „Wer Gott aus wahrer Liebe dient, nur der kann sich mit Erkenntnis richtig beschäftigen und wandelt den Weg der Weisheit nicht in der Absicht Lohn zu erhalten, sondern um die Wahrheit, um das Wohl der Gesammtheit zu fördern. Dieses Ideal hat der Patriarch Abraham verfolgt." (Maimon. H. Tesch X. 2 ff.) „Seid nicht wie ein Knecht, der um des Lohnes willen seinem Herrn dient, sondern seid Diener des Herrn ohne diese Absicht." (Aboth 1, 3). „So höret denn auf mich, die ihr der Gerechtigkeit folget, die ihr Gott suchet. Blicket nach dem Fels, aus dem ihr gehauen, blicket hin auf Abraham euren Vater, auf eure Mutter Sarah. Einzig habe ich ihn genannt und habe ihn gesegnet." (Jes. 61, 2.) VI. Die Liebe;ur Erkenntnis. 1. „Arm war Hillel, aber er war ein großer Lehrer in Israel. Schebna, sein Bruder, war dagegen ein reicher Kaufmann. Da sprach dieser: die Hälfte meines erworbenen Reichtums sei dein, gieb mir dafür die Hälfte deines Lohnes. Da rief eine himmlische Stinime: und g'iebt der Mensch sein ganzes Vermögen hin, diese Liebe läßt sich nicht erkaufen." (Sota 21».) Wohl hat jener einen Anteil des moralischen Verdienstes, wer den edlen Trieb im Herzen eines andern ernährt und die Liebe zur Erkenntnis in der Seele anderer weckt. Er hat einen Teil jenes schönen Bewußtseins. Wer sich aber bereits selbst mit der Wissenschaft beschäftigt, kann nichts von diesem Bewußtsein einem andern verkaufen." (Joreh

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