Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969703--0709-2971140
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

82 So hat Rabbi Menasse ben Israel der Liebe zu seinen Glaubensbrüdern sein Leben zum Opfer gebracht. Die Kirche hätte gewiß einen solchen Mann heilig gesprochen; die Juden aber setzten ihm blos, nachdem sie seine Leiche nach Amsterdam gebracht und dort bestattet hatten, einen Grabstein mit einer kurzen, aber vielsagenden spanischen Inschrift, die von David franco hebräisch übersetzt wurde: *) und die ich hier wiederum wortgetreu in's Deutsche übertrage: „Der Lehrer ist nicht tot, sein Licht noch nicht erloschen." „Fürwahr! er lebt ja noch in jenen mächt'gen Höhen." „Und durch seine Feder so, wie seiner Rede Süße" „Währt sein Andenken ewig, so lang die Erde besteht." Und jener unbekannte Dichter hat wahr gesprochen. Rabbi Menasse ben Israel lebt und wird ewig leben im danbkaren Herzen seiner Glaubensbrüder. Grundgedanke der öMisch-latmudischen G1M von Oskar Waldeck. V. Die Liebe;u Gott. „Nun Israel, was verlangt der Ewige, dein Gott sonst von dir, als daß du ihn ehrfürchtest, in allen seinen Wegen wandelst, ihn liebest und dem Ewigen, deinem Gotte dienest mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele." (5. M. 10,12.) Aber nur das gebildete Herz kann wahrhaft lieben, und verehren kann nur der Geist dann, wenn er bewundert, wenn das Gemüt vor der Größe zurückweicht und sich so klein fühlt der Macht des Eindrucks gegenüber. Giebt es aber schönere und bessere Eindrücke für das Herz als jene, die aus dem Riesenwerke der Schöpfung, „das mit jedem Tage sich verjüngt", unserer Seele zufließen? Erkennen wir nicht in jeder Erscheinung das Glied einer unendlichen Kette, die den geweckten und den gebildeten Geist ewig grenzenlos in die Weite zieht und durch die Allgewalt der Eindrücke erdrückt? „Du fragst: Wer hat dies gebildet, wer hat es vollbracht? Der da rief die Geschlechter von jeher, ich bin Iah, bin der Erste und bin derselbe bei allen folgenden. Das schauen die Eilande und schaudern, die Endpunkte der Erde beben, sie nahen und schreiten heran. Jeder will seinem Nächsten helfen und spricht zu feinem Bruder: sei stark." lJes. 41, 4—7.) „Welches ist also der kürzeste Weg, der zur wahren Bildung führt? Bei ') Kayserling's Angabe, daß sie von Simson Bloch in's Hebräische übersetzt worden sei, beruht ans einem Irrtum. Bloch selbst entnahm sie, wie die ganze Biographie, dem David Choffschi im Meassef. Ebenso ungenau ist Kayserling's Angabe, daß ihm in Middelburg eine spanische Grabschrift gesetzt worden sei, wodurch er ihre ganze Äuthmticität bezweifelt und sie gar nicht bringt, weil er ja in Amsterdam begrabe» wurde. David Choffschi sagt aber gar nicht, daß man sie ihm in Middelburg gesetzt hätte; im Gegenteil, er sagt ausdrücklich, daß man sie ihm nach der Uebertragung seiner Leiche »ach Ouderkerk, d. i. nach dem Portugiesenfriedhof zu Amsterdam, gesetzt habe, die er selbst vom Grabstein herab in's Hebräische übersetzte. Ihre Authenticität ist darum gesichert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.