Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 de s selben Jahres, nach den hohen Feiertagen, trat er mit einigen Freunden die Reise nach London an. In London angelangt, stellte er sich sofort dem Lord-Protektor Cromwell unb sämmtlichen einflußreichen Parlamentsmitgliedern vor, wo er die ehrenvollste Aufnahme fand. Dem Protektor überreichte er eine englische Adresse, wie er sich ausdrückte, „im Namen der jüdischen Nation." In dieser Adresse bat er nochmals um die Gewährung seiner Bitte. Mit welch staunenswertem Mannesmute aber Rabbi Menasse ben Israel darin auftrat, können wir aus einer kurzen Stelle ersehen, die hier mitgeteilt zu werden verdient. Er sagt darin: „Alle Könige werden durch die göttliche Vorsehung gelenkt, Gott erteilt Belohnungen für Tugenden und verhängt Strafen für Laster ganz nach seinem Gefallen. Beispiele großer Monarchen, besonders solcher, welche das Volk Israel betrübt haben, bewahrheiten dieses, denn Keiner hat sie verfolgt, ohne daß er in einem bösen Ende die Strafe des allniächtigen Gottes schwer empfunden hätte, wie aus der Geschichte der Könige Pharao, Nebukadnezar, Antiochus Epiphanes, Pompejus u. A. hinlänglich bekannt ist. Und im Gegentheil war nie ein Wohlthäter dieses Volkes, der ihnen in seinem Lande Huld erwies, der nicht auch alsbald dafür zu blühen begann, so daß er die Prophezeiung Abrahams: „Ich werde diejenigen segnen, welche dich segnen, und denjenigen fluchen, welche dir fluchen," täglich ihre Erfüllung zu haben scheint." (Vgl. Jahrb. f. d. G. d. I. u. d. I. II. B. S. 140.) Zugleich veröffentlichte er eine „Erklärung an die Republik Englands," worin er dem englischen Volke den Zweck seiner Ankunft auseinandersetzte. In dieser Erklärung führt er dem englischen Volke vor Allem den materielleu Vorteil vor, der ihm aus der Aufnahme der Juden erwächst. Es ist zum Staunen, welchen praktischen, weltmännischen Blick der Rabbiner hier zeigt. Zuerst hält er sich allgemein, dann weist er auf unzählige einzelne Beispiele hin, welche Dienste einzelne Juden dem Staate leisteten. Unter vielen Anderen erwähnt er auch zwei Männer aus der hiesigen (Prager) Gemeinde, „Mardochai Meisel und Jakob Bassewi." Ferner hebt er darin die Treue, die Reinheit und den Adel Israels hervor. Doch auch das genügte noch nicht, dem unermüdlichen Rabbi Menasse ben Israel. Er machte auch Reisen nach den berühmten Universitätsstädten Cambridge und Oxford, um auch die dortigen theologischen Kreise, die von mächtigem Einfluß waren, für seine Sache zu gewinnen. Nach seiner Rückkunft hatte er wieder mehrmals Unterredungen mit Cromwell, der auf das Wärmste für Rabbi Menasse's edle Sache eingenommen war. Natürlich gerieten die Papisten in die höchste Aufregung über diese Vorgänge, und sie verbreiteten die abenteuerlichsten Gerüchte. Bald hieß es, Cromwell selbst sei jüdischer Abkunft, bald wieder, Rabbi Menasse wolle blos in Verbindung mit einem Prager Rabbiner und noch mit einem dritten den Messias aufsuchen; Andere sagten gar, es handle sich um ein Geschäft, die Juden wollen die Paulskirche und die reiche bodlejanische Bibliothek an sich kaufen, um aus der erstern eine Synagoge zu machen, und die letztere zu verschachern. Indessen aber ließ Cromwell in den ersten Tagen des Dezember 1655 nicht weniger als drei Sitzungen über die Judenfrage abhalten. Am 18. Dezember ordnete er eine Schlußsitzung an, der er selbst präsidierte und der auch, wie in den früheren Sitzungen, Rabbi Menasse beigezogen war,