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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 79

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 sich in London aufhielt; der Bann gieng also auch von Saul Morteira in Gemeinschaft mit Jsak Aboab aus, aber nicht von Rabbi Menasse ben Israel. Diese Ungleichheit in ihrer Amtsführung hat n.m. A. die Spannung zwischen diesen beiden Männern hervorgerufen. Nun sind wir endlich bei dem Punkte angelangt, der uns Rabbi Menasse's b. I. Herz in seiner ganzen Größe und Wärme, in seinem ganzen Adel zeigt; der ihn uns als die hingebungsvollste, treueste Menschenseele erscheinen läßt. Der schönste Traum, der sehnlichste Wunsch der großen Seele Rabbi Menasie's ben Israel war, seine Glaubensbrüder recht glücklich zu sehen; und seine tiefe Frömmigkeit, sein gottgläubiges Gemiit erfüllten ihn auch mit der sichersten Ueberzeugung, daß Israel eine große, glänzende Zukunft bevorstehe. Diese Zukunft glaubte er durch die gewaltigen Ereignisse seiner Zeit sehr nahe gerückt. Der dreißigjährige Religionskrieg, der ihn abschließende westphälische Friede, durch den die Niederlande, die ein Asyl für die Juden geworden waren, als selbstständiger Staat erklärt wurden, der blutige Religions¬ und Bürgerkrieg in England, dies Alles erweckte in ihm die Hoffnung, seinen schönsten Lebenstraum von einem glücklichen Israel bald verwirklicht zu sehen. Nach dem Sturze des Königthums und nach der erkämpften Religionsfreiheit in England sah er sich in dieser Hoffnung noch mehr bestärkt. Welcher Abstand, mochte er gedacht haben, zwischen dem ehemaligen spanischen Drucke, und dem erquickenden Freiheitshauche, der jetzt die Juden zu umwehen anfängt! Und so schrieb er 1650 in spanischer Sprache seine Schrift: „Die Hoffnung Israels" (Lsperauxs, äs Israel.), die er selbst später ins lateinische übersetzt haben soll. *) Mit besonderer Hoffnung blickte er auf England. In England , wo seit 1290 kein Jude sich aufhalten durfte, entstanden Israel während des Bürgerkriegs, besonders nach dem Siege der Independenten, zahlreiche mächtige Gönner. Die Partei, die die Religion auf ihren Urquell, die Bibel, zurückführen wollte, schätzte und verehrte Israel als das erstgeborene Volk der Bibel. Gelehrte und Staatsmänner wetteiferten miteinander in der Lobpreisung Israels; sie verfaßten Schriften zu Gunsten und zu Ehren Israels. Diesen günstigen Zeitpunkt ergriff Rabbi Menasse ben Israel und stellte 'chon einige Jahre vorher mit einzelnen einflußreichen Männern en Gegenstand brieflich verhandelt hatte, an das englische Parlament den Antrag, die Juden wieder aufzunehmen. Zur Unterstützung seines Antrags überreichte er kurz darauf seine Schrift: „Die Hoffnung Israels"; zugleich den Wunsch zu erkennen gebend, selbst in London zur persönlichen Unterhandlung eintreffen zu können. Das Parlament nahm seinen Antrag günstig auf, und es wurde ihm die Bewilligung ertheilt, nach London kommen zu dürfen. Indessen brach ein Krieg zwischen Holland und England aus, wodurch die Verhandlung ins Stocken gerieth. 1653 schickte er eine zweite Petition an das Parlament, über die öffentlich verhandelt wurde; 1655 ging von ihm eine dritte Petition an das Parlament, und im O c t o b e r 1650, nachdem er Englands über bie' *) Nach Grätz, G. d. I. X., S. 103, Sinnt. 3, wäre sie umgekehrt zuerst lateinisch abgefaht und daun von ihm ins Spanische übersetzt worden. Beides jedoch 1650.

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