Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 gewidmet sind; ebenso seine, 1655 spanisch abgefaßte und seinem gelehrten christlichen Freunde Jsak Vossius gewidmete Schrift: Der Edelstein, oder das Standbild Nebukadnezars." (Piedra Gloriosa o de la Estatua de Nebuchadnesar.) Mehr aber als alle diese Werke gipfelt in diesem Streben sein größtes, vier umfangreiche Bände zählendes, spanisch abgefaßtes Werk: „Conciliador“ („Der Versöhner"), worin alle scheinbaren Widersprüche in sämmtlichen vierundzwanzig Büchern der heiligen Schrift ausgeglichen und versöhnt werden. Es erschien in vier einzelnen Bänden von 1632—1651. Keines seiner Werke, ja wenig Werke überhaupt waren so epochemachend, wie „der Versöhner". Es wurde von jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten bewundert und in den begeistertsten Lobesgedichten besungen. Der erste Th eil wurde auch ins Lateinische und Italienische, das ganze Werk ins Englische übersetzt. Nach dem Erscheinen des ersten Bandes huldigten ihm christliche Theologen und Philologen in den schmeichelhaftesten Anerkennungsschreiben. Die ersten Gelehrten seiner Zeit wurden seine intimsten Freunde und Verehrer und feierten ihn in Gedichten und Gesängen. Selbst die schwedische Königin Christine, die gelehrte, auch in die hebräische Literatur eingeweihte Tochter Gustav Adolph's, lernte ihn aus seinen Schriften schätzen und achten. Er feierte ihre Krönung in hebräischen und spanischen Versen, die sie huldvollst entgegennahm, und hatte auch eine Unterredung mit ihr während ihrer Anwesenheit in Antwerpen, die die Aufnahme der Juden in Schweden zum Zwecke hatte. So hat Rabbi Menasse ben Israel durch diese seine Schriften zur Verherrlichung des Judentums nach außen hin, wie selten Einer, beigetragen. Aber auch noch eine andere Aufgabe stellte sich Rabbi Menasse ben Israel, deren Schwierigkeit wir gar nicht ermessen können. Der jungen Amsterdamer Gemeinde fehlte es an jeder Erkenntnis und Kenntnis des Judentums, oder, um es deutlicher auszudrücken, sowol die Grundprinzipien des Judentums, also sein geistiger Gehalt, als auch die praktischreligiösen Vorschriften, also die Ges eheste nntnis des Judentums, waren dem bei weitem größten Teile der Gemeinde vollständig fremd. Liebe zum Judentum trugen sie wol Alle im Herzen, aber Geist und Gesetz des Judentums waren ihnen ganz unbekannte Gegenstände. Wie konnte es auch in einer Gemeinde anders sein, die sich ausschließlich aus scheinchristlichen Kreisen rekrutierte; deren Familien über ein Jahrhundert hindurch öffentlich im Christentume lebten und das Judentum nicht übten und nicht üben sahen, also es nie aus eigener Anschauung kennen lernten! Fehlte ihnen doch von Hause aus die erste Grundbedingung jeder religiösen Erziehung und Belehrung: die Harmonie zwischenDenken und Handeln, zwischen Lehren und Leben! Mußten sie doch stets anders handeln, als sie dachten, anders öffentlich leben, als sie im Geheimen lehrten. Sämmtliche Mitglieder waren ja bei ihrer Ankunft selbst des Hebräischlesens unkundig und mußten erst an der Gemeinde - Anstalt „ Talmud Thora" den hebräischen Lese - Unterricht erhalten. Diesem traurigen Zustande tvollte er so viel und so schnell als möglich ein Ende machen. Er arbeitete auch dahin in Wort und Schrift. An der