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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 75

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Rabbi Menasse ben Israel verstand und las nicht weniger als zehn Sprachen und schrieb Werke — darunter manche epochemachende — in lateinischer, spanischer, hebräischer und englischer Sprache. Alle diese Werke erschienen nicht nur von ihm, sondern auch bei ihm. Er errichtete nämlich auch die erste, auch das Hebräische umfassende Druckerei in Amsterdam, aus der am 1. Januar 1627 ein hebräisches Gebetbuch nach spanischem Ritus als erstes hebräisches Druckwerk Hollands hervorgieng. So ist er auch der Begründer der später so berühmt gewordenen Amsterdamer Typographie. Seine Werke zeichnen sich durch zwei Hauptvorzüge aus, durch die Vielseitigkeit ihres Inhalts, d. h. durch die reiche Mannigfaltigkeit der Materien, von welchen sie handeln, einerseits, und durch die schöne, ja, elegante Darstellungsweise anderseits; seine Feder war ebenso golden und feurig wie seine Zunge. Um seine schriftstellerische Thätigkeit gehörig würdigen zu können, müssen wir uns die Verhältnisse, unter welchen er lebte und die Aufgabe, die er sich stellte, vergegenwärtigen. Amsterdam, überhaupt Holland, bildete damals den Mittelpunkt der europäischen Gelehrten-Republik. Es war das goldne Zeitalter der Philologie. Die alten klassischen Sprachen feierten ihre Auferstehung. Neben Griechisch und Latein bildete auch Hebräisch den Gegenstand eifriger, gelehrter Studien. Selbst vornehme christliche Damen lasen und schrieben Hebräisch; ja, Eine las sogar Raschi und Ion Esra. Durch das philologische Interesse, das die hebräisch abgefaßten Bücher der heiligen Schrift boten, erweckten sie auch das theologische Interesse in christlichen Gelehrtenkreisen. Über alles Mögliche und Unmögliche wurde theologisiert, über das zufällige oder bestimmte Lebensende des Menschen, über die Auferstehung, über das etwaige voradamitische Menschengeschlecht, über die Messiasfrage, kurz, jedenTag tauchte eine neue theologische Streitfrage auf, und zur Lösung dieser Streitfragen wurde natürlich vor Allem die Bibel herangezogen; sie sollte auf Alles Antwort, über Alles Aufschluß geben. Wie dies immer bei derartigen Streitigkeiten der Fall ist, wurden die Argumente für und gegen aus der Bibel geholt. Die entgegengesetztesten Ansichten beriefen sich auf die Bibel; oft wurden ihr die unsinnigsten Schrullen verschrobener Köpfe unterschoben. Jeder behauptete, seine Lösung fuße und wurzle in der Bibel. Zu diesen brennenden Zeitfragen mußte auch das Judentum Stellung nehmen; es mußte sich gewissermaßen herausgefordert sehen, als Nächstbeteiligter auch den biblisch-theologischen Kampfplatz zu betreten. Und dieser schwierigen Aufgabe unterzog sich Rabbi Menasse ben Israel, als er noch kaum das Mannesalter erreicht hatte. Aus diesem Streben gingen hervor: seine in lateinischer Sprache 1635 erschienene Schrift: „Ueber die Schöpfung" (De creatione), seine 1639, ebenfalls in lateinischer Sprache erschienene..und 1699 von einem christlichen Gelehrten ins Englische übersetzte Schrift: „Über das Lebensende" (Os tsrmino vitae); ferner seine 1642 in spanischer Sprache erschienene Schrift: „Über die menschliche Schwäche und die Neigung zur Sünde" (Ds la Fragilidad Humana 6 inclinacio del hombre al peccado.) Als aus demselben Streben hervorgegangen ist auch zu betrachten sein 1636 spanisch abgefaßtes und ins Lateinische übersetztes dreibändiges Werk: „Über die Auferstehung der Todten" (Dv Rssurrsotions Nortnorura), wovon zwei Bände christlichen Gelehrten 7

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