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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Lissabon mit seinem Weibe Rachel und seinem noch im zarten Kindesalter stehenden Söhnchen Menasse. In Amsterdam hatte sich die Gemeinde schon so vergrößert, daß sie auch schon einen Rabbiner berief in der Person des Josef Pardo aus Salonicht. Auch die Synagoge Beth-Jakob faßte nicht mehr die große Zahl der Betenden und es wurde im Jahre 1610 eine zweite erbaut, die den Namen: Neweh-Schalom (Stätte des Friedens) führte. Auch diese Synagoge stellte einen Rabbiner an, zuerst in der Person des Juda Vega aus Afrika, dann, nach dessen Übersiedelung nach Constantinopel, in der Person des Jsak Usiel, ebenfalls aus Fez in Afrika. Diesem strenggläubigen, talmudisch und wissenschaftlich gelehrten, als Arzt und Dichter berühmten Manne wurde der junge, im Christentum geborene Menasse zur religiösen und wissenschaftlichen Ausbildung übergeben. Unter der Leitung dieses Mannes machte Menasse solche Riesenfortschritte, daß er im Alter von fünfzehn Jahren, wie er selbst in der Vorrede zu einem seiner Werke erzählt, schon als Prediger auftreten konnte; und schon 1622, wo der 1604 geborene Menasse das achtzehnte Jahr noch nicht zurückgelegt hatte, wurde er der Nachfolger seines 1620 Hingeschiedenen Lehrers. Hier beginnt Rabbi Menasse's ben Israel glanzvolle öffentliche Thätigkeit, die bei Mt- und Nachwelt die höchste Anerkennung gefunden, ja, bei der erst er en die höchste Bewunderung erregt hat. Außer vielen allgemein gehaltenen kurzen Berichten, die wir über Rabbi Menasse ben Israel haben, ist sein Leben und Wirken bereits zweimal ausführlich dargestellt worden. Die eine Darstellung ist von David Chofschi aus Amsterdam in hebräischer Sprache abgefaßt; sie ist im Meassef, Jahrg. 1788 (5548) abgedruckt. Hier ist es nötig, darauf aufmerksam zu machen, daß David Chofschi identisch ist mit David'Franco Mendes, der auch als Biograph Rabbi Menasse's ben Israel genannt wird. Chofschi ist nur die hebräische Übertragung des portugiesischen Franco (frei) oder umgekehrt. Der zweite Biograph — dem ich in meinem Vortrage folge — ist Dr. Kayserling im „Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judentums", Jahrgang 1861, dessen Darstellung sich in wesentlichen Punkten an die hebräische des David Chofschi anlehnt, und es ist bei dem sonst so genauen Kayserling nur befremdend, daß er ihn gar nicht nennt und dessen Arbeit gar nicht erwähnt. Rabbi Menasse glänzte vor Allem als mächtiger Redner; seine Beredsamkeit muß geradezu hinreißend, bezaubernd auf die Hörer gewirkt haben. Daniel Barrios, der Biograph Jsak Usiels, des Lehrers und Vorgängers Rabbi Menasse's, nennt ihn geradezu „den großen König der Beredsamkeit." Alle vornehmen und wissenschaftlichen Kreise Amsterdam's, die jüdischen, wie die nichtjüdischen, strömten in Schaaren nach dem Neweh-Schalom-Tempel zu seinen Kanzelvorträgen. Minister, Gesandte, zahlreiche in Amsterdam lebende nichtjüdische Gelehrte lauschten oft den aus seinem goldnen Munde geflossenen Perlenworten. Ja, selbst durchreisende bedeutende Persönlichkeiten suchten am Sabbath den Tempel auf, um auch einmal den gefeierten Redner gehört zu haben. Doch noch mächtiger als sein lebendiges Wort wirkten seine zahl-, umfang- und inhaltreichen, in verschiedenen Spracheit abgefaßten Schriften, die seinen gefeierten Namen weit über die Grenzen der Niederlande hinaustrugen, seinen glänzenden Ruf auch außerhalb des engen Kreises seiner Glaubensgenossen verbreiteten nnd seinen unsterblichen Ruhm in den damaligen europäischen Gelehrtenkreisen begründeten.

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