Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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71 Literarische Wundschau und Wilteikungen. Unter dem Titel: „Die Blutbeschuldigung gegen die Juden von christlicher Seite beurtheilt." Wien 1883. (Druck und Verlag Steyrermühl VI l. u. 62), ist von dem bekannten Vorstandsmitgliede der Wiener israelit. Cultusgemeinde Herrn Emanuel Baum garten, der auch Mitglied des Frankfurter Mendelssohn- Bereins ist, eine Schrift erschienen, in welcher christliche Stimmen von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart angeführt werden, durch welche unter eidlicher Bekräftigung, oft unter Anrufung des Heilandes dargethan wird, daß die Juden zu keinem wie irgend gearteten Zwecke Blut gebrauchen und daß nur die raffinierteste Bosheit solche unsinnige Lügen verbreiten konnte. Es wäre zu wünschen, daß diese schön ausgestattete, in zweiter Auflage mit vermehrtem Inhalte erschienene Schrift gerade tu solche Kreise gebracht werde, Ivo eine derartige Widerlegung von nöten ist. Wir können übrigens auf den gesunden Sinn des Volkes bauen, das sich derartige Märchen überhaupt für die Dauer nicht mehr aufbinden läßt. Tisza Eszlar ist abgebraucht und die Antisemiten wollten rasch eine neue Affaire Wimpfen-Hirsch schaffen, um die Gemüter aufzuregen. Daß man mit solchen erfundenen Lügen nicht mehr verfängt zeigt der Fall in Rzezow, wo die Eheleute Ritter zum Tode verurteilt wurden, weil sie ein Mädchen Namens Franeiska Münich ermordet haben sollen. Die k. k. Staatsanwaltschaft in Rzezow hätte gerne ein religiöses Motiv in den Vordergrund gestellt, was aber der Gerichtshof ganz energisch ausschloß. Der oberste Gerichtshof in Wien hat übrigens in diesem dunklen Falle, der nicht mit einem so klaren Verbiet enden kann, noch ein Wort mitzusprechen. — Rabbiner L>r. M. Duschak in Krakau hat unter dem Titel „Tor Ester, Mittel gegen die falschen Blutbeschuldigungen", ein Schriftchen veröffentlicht, welches auch noch einen Anhang zur Sage und Geschichte Polens, der früher in unseren Monatsblättern erschienen ist, enthält, die sehr lesenswert ist. Die Schrift hat zum äußeren Anlasse das am 27. Deeember 1882 begangene Habsburgjubilänm. Auch die aus demselben Anlasse im israelitischen Bethause der Residenzstadt Wien gehaltene Rede des Herrn Dr. Jcllinek ist im Drucke erschienen. Redner hebt hervor, wie die Sprossen aus dem edlen Hause Habsburgs es waren, die sich als Schirmherren der Bekenner des Judentums in Not und Bedrängnis erwiesen haben. Von demselben Redner ist auch „der Talmudjude, Vierte Rede. Die Rede- und Vortragsweise der Talmudlehrer, zunächst Adam betreffend" (Wien, D. Löwy.l erschienen. Mit dieser Rede ist der erste Cyclus dieser äußerst interessanten und lehrreichen Vorträge abgeschlossen, dem ein zweiter Cyclus im Monat April folgen soll, welchem wir freudig entgegensehen. — Rabbiner Dr. S a m u e l Back, Prag-Smichow, hat unter dem Titel: „An Israels Gemeinden und ihre Nabbine». Eine Stimme der Gegenwart zur Gestaltung unserer Zukunft. (Prag 1883. Jacob B. Brandeis) eine Schrift veröffentlicht, in welcher er auffordert, hinzuarbeiten, daß ein jüdischer Syuedrion einberufen werde, um eine Organisation innerhalb des Judentums auzubahnen. In den Rabbinerversaminlungen und Synoden sind solche Anläufe genommen worden. Doch auch diesen hat man innerhalb der Judenheit nicht die nötige Begeisterung entgegen gebracht und die Teilnemer wurden von jüdischen Finsterlingen und Fanatikern sogar mit dem Bann belegt, und da hatte das Judentum noch gelehrte und charakterfeste Männer wie Geiger. Lö>v, Aub, Wechsler. Die Rohlingischen, aus Ignoranz oder Bosheit stammenden Lügen sind neuerdings