Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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70 in welchen die Jilden wohnten, wurden eingeäschert. (Siehe Geschichte der Juden in Polen von Hermann Sternberg.) Folgende Sage möge auch hier ihren Platz finden. Zollkiev ist die Heimat des berühmten Polenkönigs Sobieski, welcher wahrhaft edle unbefangene Fürst den Juden gar freundlich zugethan war. Der Zollkiever Rabbiner soll dem Kinde Sobieski dessen glanzvolle Zukunft vorausgesagt haben, und als dieser niit dem Rabbi einst zusammentraf, soll dieser sich vor ihm tief verbeugt haben. Es wird nun weiter erzählt: König Sobieski hatte einmal eine unruhige schlaflose Nacht, er verließ das Bett und blickte zum Fenster hinaus, da erblickte er eine Menschengrnppe, deren Anführer ein geistliches Gewand trug, mit dem er einen Gegenstand verhüllte. Der König schickte sogleich seinen Diener hin, welcher sich der Gruppe unter dem Scheine der Freundschaft anschloß; dem Könige brachte er den Bericht, daß der Geistliche ein todtes Kind in den Hof eines Juden warf, und daß er ihm den Zipfel des Obergewandes abgeschnitten habe, den er dem Könige überreichte. Am nächsten Morgen entstand ein Tumult, das Volk schrie nach Rache, denn ein Jude hat ein Christenkind gemordet, um dessen Blut für die Matze zu gebrauchen. Der König ließ hierauf Rabbiner und Vorstand verhaften. Dann ließ er die gesammte Geistlichkeit zu sich rufen, unter welchen sich auch der Geistliche befand, dem der Zipfel am Kleide fehlte. Der König fragte nach der Ursache, der Geistliche brachte allerhand Gründe au, bis der König die ganze abscheuliche Thatsache enthüllte. Diese Geschichte lebte im Munde des Volkes. Dieselbe Geschichte trug sich einst in Spanien zu, und befindet sich in der Uebersetzung des Manage Ben Israel von Mendelssohn. Manasse hatte sich dabei eines Verses bedient, den er interpretierte: Gott schlummert nicht und läßt den Hüter Israels nicht schlafen. Dieser so interpretierte Vers bildet auch jetzt kn Wahlspruch eines Vereines in Polen Herrn Merunowiez, welchem die Geschichte der Juden in Polen unbekannt zu sein scheint, war es Vorbehalten, diese abgedroschene Mär noch einmal zu dreschen, bis ihm der Abgeordnete Dr. Zucker nächwies, daß in diesem leeren, abgedroschenen Stroh kein Körnchen Wahrheit zu finden ist. Aber leider, es bleibt immer etwas hängen. Das Volk, das auf die Inden in Polen eben nicht gut zu sprechen ist, läßt es sich nicht nehmen, daß, etwas an der Sache sein müsse. Die Juden haben ja beim,.Auszüge aus Ägypten die Pfosten der Thüre mit Blut bestriche», haben den Ägyptern Damim, das ist eigentlich Geld und Gut abgenommen; Damim heißt aber auch Blut. Die Juden trinken au ihrem Osterabende rothen Wein, weil er dem Blute ähnlich sieht, und dabei stoßen sie Flüche aus über die Gojim, die Gott nicht erkennen. So wurde die böse Saat ausgestrent, die nicht so leicht zu entwurzeln ist. Die Redactiou einer Zeitung, die sich wegen ihrer Geringfügigkeit nicht erhalten konnte, suchte ihr durch einen pikanten Stoff aufznhelfen. Woher aber die Pikanterie holen. Ohne viel Scharfsinn und Witz anzuweuden, war es die dumme und närrische Blutbeschuldigung, die ihm aus der Verlegenheit half ein Anker in der Not. Es wurde ein Manuskript in die Druckerei gegeben, welches unwiderlegbar beweisen sollte, daß die Juden nach dem Blute der Christen dürsten; indem es doch ausdrücklich heißt: Den besten unter den Gojim bringe um. lieber das Schicksal dieses neuen, Epoche machen sollendes Blattes und über die Dummheit dieses Argumentes nächstens.