Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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69 i zaboboni 1636, Aberglauben, Mord und Grüuelthaten der Juden. Sie haben in diesen Schriften alles niedergelegt, was Tollwut unter der Maske des religiösen Eifers nur erzeugen kann. Das Buch: Swawola wynzdana zydowskia, zügellose Ausschweifungen der Juden, von Bas. Waglicius, 1648, ist ähnlichen Inhalts. Lament dzieci pomorordowanich prez zydöw, 1651, das Wehklagen der von den Inden ermordeten Kinder, verkündet schon in seinem Titel Inhalt und Zweck des Buches. Stef. Zuchowski, Prozess krvminalyy, 1698, der Kriminalprozes. Diese Schrift enthält eine Sammlung alles desjenigen, was man von mehreren Jahrhunderten her den Juden angeschnldet hat. Zuchowski gerieth in einen so großen Eifer, daß er über den wider die Juden in Sandlomir auf seine Anklage, vollführten Prozes, ein episches Gedicht von ein paar Tausend Versen verfertigte, welches den Titel führt: Ogtos processöw kryminalnych na zydöni o rdzne excessy takze moderstwo dziece, 1700. Widerhall der Kriminalprozesse gegen die Juden wegen verschiedener Gräuelthaten und Kindesmorde. Es heißt dort folgendermaßen: Ich singe das Verfahren über eine nie gehörte Schandthat: Wie Juden gleich Hunden nach Christenblut durstend, Zur Zauberei, zum'Opfer oder zu ihrer Phase. Grausam ein Kind ohne Makel zerfleischten Gerechter Himmel, warum sahst du diese Schandthat! Warum verheertest du nicht gleich diesen Ort mit Feuer! Allein den Donner in den Wolken bereit haltend, Wollte Nemisis das Strafurtheil der Menschen abwarten, Wie das heilige Gericht die Bosheit ernstlich bestraft. Muse bring den Prozeß auf deine harmonische Leier! Seine poetische Beschreibung des Lubliner Tribunals würde man auch an einem Ort gewiß mit Vergnügen lesen. Zuchowski giebt die Zahl der durch 300 Jahre von den Juden in Polen ermordeten Christenkinder auf 86 an. Beweise des ärgsten Fanatismus und ausschweifendsten Aberglaubens findet man ans jeder Seite der angeführten Bücher. Jni Jahre 1407 bestieg der Wieslicer Domherr Badeck am dritten Ostertag nach gehaltener Predigt in der Kirche St. Barbara zu Krakau die Kanzel und las eine an ihn gemachte Anzeige des Inhalts vor: Die Inden haben in der verflossenen Nacht ein Christenkind ermordet, an dessen Blut ruchlose Schandthat verübt und auf den Geistlichen, der das Allerheiligste trug, Steine geworfen. Wie auf ein gegebenes Zeichen fällt der fanatisierte Pöbel über die Juden her, zerstört ihre Häuser und mordet die Wehrlosen. Nichts wird verschont, Frauen, Greise, Kinder, finden in einem schrecklichen Gemetzel den Tod. Auf die erhaltene Kunde eilten Klemens Moskorzevski, Starost von Krakau und Nikolaus Litwocz, Generalprokurator, mit bewaffneten Schaaren den Juden zu Hilfe; stellten die Ruhe wieder her und ließen Soldaten zur Beschützung der Juden zurück. Doch kaum waren einige Stunden ruhig verstrichen, als das Volk das Läuten, welches den Magistrat auf das Rathhans berief, als ein neues Zeichen zur Vernichtung der Inden betrachtete, wieder auf sie stürzte und Raub und Mord verbreitete. Um dem Tod zu entgehen, flüchteten sich einige Juden auf den Thurm der nahe gelegenen St. Anna-Kirche, wo sie sich gegen die Verfolger vertheidigten. Als jedoch die Kirche in Brand gesteckt wurde, mußten sie sich ergeben, und nur diejenigen blieben am Leben, die sich zum Christentums bekehrten. Die Straßen»