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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 62

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 Das Offenbare uns und unfern Kindern auf ewig." (5. M. 29, 28.) Dieser Teil der Wahrheit, der ans der Erde hervorsprießt, in dem wir uns selbst erkennen und die unendliche Allmacht Gottes bewundern lernen liegt in uns selbst. Wer sein eigenes Wesen durch Wort und Tat aus sich hinaustragen und vergegenwärtigen kann, wer Gott in sich selbst erkennt, der ist wahr. „Wenn du nur das Gute übst, dann kannst du stolz dein Gesicht erheben." (1. M. 4, 7.) Nur das reine und lautere Bewußtsein vertritt die Stimme Gottes in uns (Sanhedrin 102 a.) und wird vom freien Selbstgefühl getragen. Wie schüchtern nnd verlegen weicht der schuldbewußte Mensch zurück, wenn sich in seiner Brust die Stimme der Wahrheit erhebt und ihn widerlegt. Die süße Eintracht im Innern ist gestört, der Friede verbannt aus dem Herzen. „Nur dem Bösewicht gegenüber, wo es ein Leben zu retten gilt, darfst du sagen: ich weiß nicht, obgleich du es weißt." (Jore Deah 232,14 entnommen aus Nedarim 27 b.) „Sei vorsichtig in deinen Ausdrücken, sprich sicher, nie zweideutig, daß du nicht lügen lehrest." (Aboth 1, 9.) „Nie soll die Wahrheit dich verlassen, binde sie um deinen Hals, schreibe sie tief in dein Herz und du erlangst Gunst bei Gott und Gliick bei Menschen." (Spr. 3, 34.) Denn festgefügt wie der Himmel ist die Wahrheit und wahr ist der freie Mensch, wahr die freie Versammlung, wahr das Haus Jakob, wahr der Gott deines Herzens, wahr die Stimme deines Gemütes, das Ebenbild Gottes in dir ist wahr. „Nicht schaust» du Unrecht bei Jakob, Unrecht nicht in Israel, denn Gott der Herr ist mit ihm." (4. M. 23, 21.) III. Der Geist des Friedens. „Wie freue ich mich, wenn man zu mir spricht: laß uns gehen in das Haus des Ewigen. In deinen Thoren Jerusalem standen einst unsere Füße. Jerusalem, du wolerbaute Stadt, in der alles einig ist. Dahin streben die Stämme, die Stämme Jah's, dem Herrn zu danken. O wünschet den Frieden Jerusalem! Möge es wolergehen deinen Freunden. In deinen Mauern wohne Friede, Friede in deinen Schlössern. Um meiner Freunde und Brüder willen wünsche ich dir Frieden; um des Gotteshauses willen suche ich dein Glück." (Psalm 122.) Schön ist diese Welt, herrlich der Gedanke, von dem sie getragen wird. Der Geist der Schöpfung durchzieht das Ganze, verbindet zu süßer Eintracht die Glieder, löst sie in Eintracht auf, um neue aus km dunklen Schoße der ewigen Nacht herauszuführen und sie harmonisch zu verschwisteru. „Frieden schafft er in den Höhen, Frieden unter uns," daß die Kräfte in einander greifen und das gemeinsame Ziel zu erreichen streben. „Der Friede schwebt über Israel", dies ideale Reich, in das das Herz jedes Eiinzelnen sich sehnt, ist das Reich Gottes. Hat doch jeder Mensch ohne Ausnahme Sinn für dieses schöne Gefühl, diese ideale Lebensstimmung beherrscht die gebildeten Seelen und eine Saite zu dieser Weltenharmonie ist der Mensch. „Darum beurteile deinen Nebenmenschen nach der bessern Seite und richte ihn niemals, so lange du dich nicht in seiner Lebensverfaffung znrechtgefundeu hast." (Aboth 1, 15.) Dein ist die Welt und was sie erfüllt, sie liegt zu deinen Füßen. „Liebe das Bündnis und verbreite die Erkenntnis, sei ein Jünger Ahrons, der den Frieden liebt und ihm nachstrebt." (Aboth 1, 12.) „Kinder eines einzigen Gottes seid ihr alle" Da giebt es keine Gegensätze, die sich feindlich bekämpfen. „Nnd Meinungsverschiedenheit, die nicht in edler Weise durch die Erkenntnis der Wahrheit ausgeglichen wird, ist nicht von Dauer." (Aboth 5, 17.) „Sage deshalb niemals: Nehmet meine

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