Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Ansicht unbedingt hin. Das steht frei, den Andern zu sagen, aber nicht dir." (Aboth 4, 8.) „Diener Gottes seid ihr alle und nicht Diener eines Dieners." (B. Meziah 10, a.) „O wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder in Eintracht leben. Wie köstliches Oel von: Haupte fließt auf deu Bart herab, auf Ahron's Bart, der niederwallt auf des Kleides Borten; wie der Hermvns-Tau, der niederträufelt auf die Berge Ziou's; denn dorthin befiehlt der Herr deu Segen, Lebensfreuden auf ewig." (Psalm 133). IV. Die Liebe. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, das ist der Satz, der das Glaubensbekenntnis enthält und alles Andere ist Erläuterung blos." (Sabbath 31, a.) Die Liebe hat von Gott das menschliche Herz zum Wohnsitz sich erbeten, um von da auf alle Geschöpfe der Erde ihr edles und wolthuendes Wirken erstrecken zu können. Und der Schöpfer bildete das menschliche Herz und räumte demselben einen Wohnsitz ein im Menschen. „Laßt uns untersuchen, was das Vorzüglichste sei, das der Mensch festhalten muß, sprechen die alten Weisen. Und sie fanden, daß ein gutes Herz das Vorzüglichste sei." (Aboth 2, 9.) Nur in guten Herzen kehrt die Liebe ein, dieser unsichtbare unfaßbarer Knoten, in welchem alle Gefühle sich verdichten, um wie das Licht in der edlen Perle nach außen ausznstralen. „Und giebt der Mann der Erde Schätze hin um die Liebe, er wird verachtet." (Hohes Lied, 8, 7.) Wol dem, der da sagen kann: „ein reines Herz hat mir Gott gegeben," (Psalm 51, 12.) er ist reich und trägt die edelsten Schüße bei sich, die ihm weder die eiserne f^auft des Geschickes, noch die Vergänglichkeit selbst rauben kann. „Liegt aber ein schöner Gedanke in dem Herzen des Menschen, wie tiefe Wasser, so versteht der Vernünftige nur ihn herauf zu schöpfen. Drum laß horchen aufmerksam das Ohr, laß die Augen wachsam stehen, beide hat Gott geschaffen," (Spr. 20, 12.) die Regungen des Herzens, diese göttliche Stimme zu belauschen und zu vergeistigen. „Das Herz des Weisen belehrt seinen Mund, giebt nur weise Lehren seinem Mund. Süßer als Honigseim sind liebliche Worte, traut sind sie der Seele, heilsam dem Körper." (Spr. 16, 23. 24.) (Forts, f.) Jur Geschichte der Mutöeschukdigungen gegen die Juden im Wittetatter und in der Neuzeit (1171—1882). Nach den Quelle» daraesteilt von Di- M. H. Friedländer. In unserer lichtvollen, cnlturfrenndlichen aufgeklärten Zeit, ist trotz des fortschreitenden Zeitgeistes der alte unversöhnliche Judenfeind Amalek (Antisemitismus) aufs neue erwacht und hat sichs, vom Neide und Hasse ergriffen, gleich seinen Urahnen in grauer Vorzeit, zur Lebensaufgabe gestellt, die Juden mit echt mittelalterlichen 'Waffen anzugreifen und durch alberne, ltigeithafte, die ungebildeten Massen aufreizende Märchen zu verdächtigen, zu verunglimpfen und den Mishandlungen des rohen Pöbels preiszugeben.