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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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61 dem Löwen seine stolze Haltung, dem zahmen Schaf seine Geduld. So ward es geschaffen und es ist. Weit überragt durch seine Denkkraft der Mensch diese Wesen alle. Alle Tugenden der andern Geschöpfe vereinigen sich im Herzen des Menschen und vergeistigen sich in seiner Seele, in jenem Hauche göttlichen Odems, der innerhalb der großartigen geistigen Anlage liegt. „Lieb hat Gott den Menschen, er hat ihn geschaffen in seinem Ebenbilde. Und dieses Vorzuges sei der Mensch sich auch bewußt." (Aboth 3, 14.) Groß ist der Mensch erst dann, wenn in seiner Seele jenes schöne und erhabene Bewußtsein lebt, wenn er diese herrliche Wahrheit, die wie ein rother Faden durch die ganze Schöpfung zieht, in sich ausgebildet, seine Fähigkeiten erzogen und begreift, daß in ihm alles Leben zusammenfließt. Denn indes alle andern Wesen blos beseelte Tiere sind, ist der Mensch frei, ein Charakter, eine Welt in der Welt, die in ihm anfgeht und in der er aufgeht, den sein Wissen und seine eigene Wahrheit leitet, jener Teil der Gottheit, der ihn hochstellt und über das Werk der Schöpfung setzt, in der er die Allmacht des unerforschlichen Geistes, der ihn überall umgiebt, erkennt. Dieser Mensch sagt sich dann leise: „Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner Hände, den Mond und die Sterne, die du festgefügt, so denke ich mir, was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest und der Erdensohn, daß du dich seiner anninimst. Und doch hast du ihn um ein Wenig der Gottheit nachgesetzt, mit Ehre und Herrlichkeit ihn bekränzt. Du hast ihn eingesetzt über das Werk deiner Hände, alles legst du ihm zu Füßen, Kleinvieh und Rinder, auch die Tiere des Feldes, den Vogel der Lüfte und die Fische des Wassers. Er bahnt sich Wege durch das Meer. Inh, unser Herr, tvie mächtig ist dein Name auf der ganzen Erde." (Psalm 8, 4—10.) II. Die Wahrheit. „Drei Dinge erhalten die Welt: die Wahrheit, die Gerechtigkeit und der Frieden. Nach den Grundsätzen der Wahrheit, des Friedens und des Rechtes richtet in euren Thoren." (Aboth 1, 18.) „Denn der Gott der Wahrheit ist der Herr" (Jerein. 10, 10.) und „Wahrheit ist das Siegel Gottes" (Tr. 58, a.) Frage nur dein eigenes Herz und du bist wahr, laß dein Fühlen und Empfinden sprechen, und du bist ein Charakter. „Nicht im Staube liegt das Unrecht, nicht keimt Unheil in deni Erdenschoß." (Job 5, 6.) Aus diesen Stoffen ist der Mensch genommen, aus diesem Stoffe ist gebildet Alles, was sich regt. Die schönsten Formen und Gestalten der lebenden Wesen, sie erheben sich aus dem Thon. „Nur der Geist, der Hauch des Allmächtigen ist es, der den Menschen Einsicht lehrt." Und dieser Geist sagt dir: „Du stehst im Bunde mit dem Stein des Feldes und gut gesinnt ist dir das Wild der Erde. Im Alter kehrst du in das Grab zurück, so wie die Garbe, deren Zeit verstrich." (Job 5, 26.) Tief im Verborgenen, wohin das Auge der Sterblichen nicht dringt, leitet ruhig der Geist Gottes den Gang der Schöpfung. Da ist Alles Ordnung, alles Gesetz. Und in den einzelnen Wesen, die da werden, wachsen, gedeihen und wieder hergehen, Geschlechter neuen Geschlechtern den Platz räumen, in diesem ewigen Wechselspiel, in dieser unabänderlichen Kette erkennen wir den Geist der Wahrheit, das Siegel Gottes." „Untadelig ist dein Werk o Herr, alle Wege gerecht." „Das ist der Gott der Wahrheit ohne Fehl, er ist gerecht und gerade." (5. M. 10, 17.) Hier haben wir aufgeschlagen das Buch der Erkenntnis und Jeder kann lesen, was Gott spricht. „Das Verborgene bleibt dem Herrn, unserem Gott.

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