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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 58

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Da sind wir alle gleich, alle einig, da giebt es nicht Herrn und nicht Knechte, keine Armen und keine Reichen, keine Fürsten und keine Könige, keine Bettler und keine Wolhabenden. Das Herz ist gestimmt, das Gefiihl gehoben, die Seele rein und voll der Erkenntnis und durch die Hallen hin flüstert es: „Des Herrn ist die Welt und was sie erfüllt und bewohnt. Er hat ans dem Meere sie erbaut, auf Strömen festgefügt. Wer mag steigen auf den Berg des Herrn, wer stehen an geweihter Stätte? Deß Hände rein, wer lautern Herzens ist, wer nicht der Falschheit schwur. Vom Herrn nehme er den Segen hin, vom Gotte des Heils die Tugend. Und so ist das Geschlecht, das Gottes Wege sucht, das nach dem Herrn sich sehnt; So ist Jakob's Geschlecht Selah." (Psalm 24.) VI. Der Geist der Andacht. „Wenn ich dich anrufe, erhöre mich Gott meiner Unschuld. In meiner Not verschaffst du mir Raum und erhörest mein Gebet." (Psalm 4.) In diesem Reiche, wo Sturm und Wetter uns oft das reine Sonnenlicht rauben, wo der kalte Nord das großartige Werk des Lenzes grausam zerstört und der Frost der frischen Rosenknospe die letzte Hoffnung nimmt, wo unter den Trümmern einer Maienwelt ein neuer Frühling schlummert, da wechselt Freude und Trauer und stille Zähren hängen um das langersehnte Vergnügen. Wenn die Blüte welkt, indes erwartungsvoll die schöne Frucht sich entfaltet, wenn das Leben in der Vollendung altert,' dann fühlt das Herz und leidet tief unter dem Einfluß dieses ewigen Wechsels, den die Weltordnung schafft und fordert. Und wie großartig unerforschlich ist dieser Wechsel, tief greift er in das Saitenspiel unseres bessern Seins und erzieht das Gemüt. Bald füllt sich freudetrunken das Herz, bald blitzt mitleidsvoll eine Thräne an unfern Wangen. Was sagt deine Thräne Kind, und was der heitere Glanz deiner Augen? Das sind die Zeugen deiner innern Gemütsbildung, das ist der Ausdruck deines Seelenadels, jener himmlischen Macht, die wir nicht begreifen, sondern fühlen und empfinden. Beschleicht dich ein Sehnen, ein unerklärliches Verlangen, ruft dich eine innere Stimme nach einer geheimnisvollen Stätte, wo du dein Inneres durch Lobgesang, deinen Schmerz durch eine stille Thräne, durch ein andächtiges Gebet befreien, das freudige Gefühl vergeistigen durch ein Wort aus dir hinaus tragen niöchtest, dann ist es der Gott, der in deinem Herzen wohnt, der Geist, der dein Fühlen leitet unnd regiert, der sich dir offenbart. Rein ist dein Gewissen, dein Herz erhaben gestimmt, ziehe hin nach jener ehrfurchtsvollen Stätte, wo alles einig, alles gleich ist. „Wo auch immer solche zehn andächtig beisammen sitzen, da ruht die Majestät Gottes iu ihrer Mitte: denn Gott thront in der Versammlung Gottes." (Aboth 8, 6.) Da rinnt das Wort so voll, so rein über die Lippen und das ganze Leben sammelt sich in der Andacht und geht auf im Gebete, der heftige Schmerz löst sich auf und das freudetrunkene Gemüt läutert sich in der Klarheit des Bewußtseins. „Hanna war betrübten Gemütes und sie betete zu Gott im Tempel zu Siloh und weinte bitterlich. Sie redete leise, ganz in sich gekehrt, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme ward nicht gehört. Da sagt Eli, der hohe Priester zu ihr: Geh' in Frieden, der Gott Israels wird gewähren deine Bitte.";1 Sam. 1, lO, II, 17.) Solche Seelen sind für das Heiligtum, sie kommen dahin und Gott wohnt in ihrer Mitte. „O Gott, wer darf wohnen in deinem Zelte, wer sich ergehen auf dem heiligen Berge? Deß Lebenswandel rein und wer der Tugend dient. Wer Wahrheit unter dem Herzen mmütm

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