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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 56

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 spanischen Kriege erhielt die kleine Gemeinde inimer neuen Zuzug aus dem verhaßten Lande der Scheiterhaufen, so daß sie schon l 597 an den Bau eines Tempels gehen konnten, der im selben Jahre am Neujahrsabend eingeweiht wurde und den Namen Beth-Jacob erhielt, nach dem um die Gemeindegründung, wie um den Tempelban so hochverdienten Jakob Tiradv. Ein Jahr darauf, 1598, bestieg Philipp HI. den spanisch-potugiesischen Thron. Unter seiner Regierung erging es den Marranen noch schlimmer, wie es von einem Fürsten auch nicht anders zu erwarten war, von dem erst dieser Tage ein hiesiges vielgelesenes Blatt ans einer neuen echthistorischen Quelle die charakteristische Thatsache erzählte: Wie er einst, als er auf dem Rückwege von Lissabon nach Madrid, noch fern von seiner Hauptstadt,' in deni Orte Casarrubios plötzlich erkrankte, auf Anraten der ihn beherrschenden Geistlichkeit den Leichnam des von der Kirche heilig gesprochenen Isidor unter großem, bedeutende Summen kostenden Pompe aus der Hauptstadt holen ließ, um durch dessen Anblick und Berührung neue Kraft zu empfangen und die Gesundheit wieder zu erlangen, und dann unter dessen feierlicher Vorantragung in Begleitung von 1000 Windlichtern auf einer Bahre von rothem Sammt seinen Einzug in die Hauptstadt hielt.') Dazu kam, daß ein Franziskanermönch, nicht von marranischer, sondern von echtchristlicher Abkunft, eine Vorliebe für das Judentum faßte, und — von seinen Klostergenossen verraten — nach zweijähriger Kerkerhaft durch die marternden Folterqualen zu dem Geständnis gezwungen wurde, das Judentum lieb gewonnen zu haben. Er wurde mit noch Einigen wegen der verbotenen Liebe zum Judentume im August 1603 öffentlich verbrannt. Dieser Vorfall flößte den zahlreichen, von tausend finsteren Augen überwachten Marranen neuen Schrecken ein. Jeder Tag führte neue Opfer dem Scheiterhaufen zu. In dieser trostlosen Situation richteten sie Alle ihre Blicke nach den Niederlanden, wo ihre vielgeplagten Brüder eine neue liebevolle Heimat, eine Freistätte gefunden hatten. Dahin floh, wer nur entkommen konnte. Männer, die die höchsten Stellungen ini Staate einnahmen, Gouverneure, Gesandte, Feldherren, königliche Leibärzte, ja, auch kirchliche Würdenträger verließen ihre hohen Stellungen, um in der neuen Gemeinde als öffentliche Bekenner ihres Herzensglaubens ein einfaches Leben führen zu können. So ist aus dem größten Unglück der größte Triumph des Judentums hervorgegangen. Hier hat sich die Macht des Judentums in ihrer ganzen Größe gezeigt; wie unauslöschlich und unüberwindlich sie ist. Familien, die über ein Jahrhundert öffentlich im Christentum lebten, weil sie darin leben mußten, da seit 1496 kein Jude, bei Todesstrafe, in Portugal sich anfhalten durfte, die also gar kein Judentum vor sich gesehen hatten, waren doch von einer solch' begeisterten Liebe zum Judentum durchglüht, daß sie ihm Gut und Blut, Heimat, Vermögen und Leben zum Opfer brachten. Und wie viele Zierden des Judentums sind aus diesen Kreisen hervorgegangen! Durch solche Vorgänge gereizt, wurde im Januar 1605 auf dem Haupt- ') Mitteilung der Prager „Bohemia", Nr. 19. vom 20. Januar 1876 aus einem Pvriragc des quellenkundigen Landesarchivars und k. k. Prof. Gindely in der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften aus seinen! damals noch unter der Presse gewesenen, seitdem aber schon erschienenen zweiten Bande der Geschichte des böhmischen Aufstandes.

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