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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 55

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 wird wieder friedlich und ruhig wohnen und Niemand wird es beunruhigen." (Jirmij. 46, 27.) Die „unüberwindliche Flotte," der Stolz Spaniens, wurde mehr als überwunden, sie wurde in jämmerlicher Weise vernichtet. Die zu Spanien gehörigen Niederlande empörten sich und schüttelten das ihnen verhaßte spanische Glaubens- und Freiheitsjoch ab. Die Stürnie, von welchen Philipp behauptete, gegen sie seine Seemacht nicht geschickt zu haben, begünstigten das Vorhaben der nach Freiheit ringenden Niederländer, und sie öffneten gastfreundlich den blutig verfolgten Marranen der pyrenäischen Halbinsel ihre Thore. Ich niöchte hier den Satz aus dem Buche der Hyninen anwenden: „Jene Stürnie sprachen" im Namen Gottes das Jesajanische Wort: „Ich spreche zum Norden: Gieb Raum, und zum Süden: Halte nicht zurück, bringe meine Söhne ausderFerneundmeineTöchtervomEndeder Erde." (Jeschaj. 43, 6.) Die ersten Marranen segelten unter außerordentlichen Vorsichtsmaßregeln, unter Leitung des Jakob Tirado, von Portugal auf zwei Schiffen nach den Niederlanden ab. Doch nicht so leicht sollten sie die Grenzen des neuen „gelobten Landes" erreichen. Die beiden Schiffe, auf welchen sich die heimatsuchenden Auswanderer mit ihren Frauen und Kindern befanden, segelten unter spanischportugiesischer Flagge, auf die ein englisches Schiff Jagd machte; und so wurden sie von demselben gekapert und nach England gebracht. Aus dieser peinlichen Lage sollen sie durch die Mitreisende glaubensstarke und sittenreine marranische Jungfrau Maria Nunes befreit worden sein, die durch ihre blendende Schönheit auch auf die Königin Elisabeth einen solche» Eindruck machte, daß sie auf ihre Vermittlung das schwergeprüfte Häuflein weiter segeln ließ. Aber als Hütten mit den Menschen auch die Elemente gegen die unglücklichen, zu Tode gehetzten Opfer sich verschworen und als hätten sie miteinander einen Bund geschlossen, sie aus dem Bannkreise des Unglücks und den gefährlichen, herzdurchbohrenden Klauen der Schicksalstücke nicht herauszulassen, peitschte ein rasender Sturm mit gewaltiger Kraft die aufgeregten Meereswogen, auf welchen die beiden Schiffe mit wilder Macht umhergetrieben und nmhergeschleudert wurden. Endlich legte sich der Sturm und die beiden, bereits schadhaft gewordenen Fahrzeuge konnten nur noch den Hafen von Emden glücklich erreichen. Nachdem die abermals aus Todesnöten erlösten Glaubensflüchtlinge erfahren hatten, daß in der Stadt auch Juden wohnen, begab sich der mutige Leiter des ganzen Wanderzuges, Jakob Tirado, zu dem daselbst wohnenden talmudgelehrten Mose Uri Halewi und entdeckte ihm sofort sein und seiner Reisegefährten und Leidensgenossen ganzes Vorhaben: wie sie den Augenblick nicht erwarten können, den ihnen in der Seele längst verhaßten und gewaltsam auferlegten Scheinglauben auch öffentlich abzuwerfen und endlich in den ihnen so lange grausam vorenthaltenen Mutterschoß des Judentums wieder zurückzukehren. Jakob Tirado erhielt von dem gottesfürchtigen Manne die Zusicherung , daß er mit seiner Familie in kurzer Zeit ihnen Nachkommen werde; sie mögen nur die Weiterreise nach Amsterdam niachen. Am 22. April 1593, ein denkwürdiger Tag, langten sie in Amsterdam an und ließen sich als die ersten Juden daselbst nieder. Mose Uri Halewi kani mit seiner Familie bald nach, der die so lange ihrer wahren Glaubensmutter entrissenen, aber ihr nichtsdestoweniger treu gebliebenen Kinder in aller Form wieder ins Judentum aufuahm. Mose Uri errichtete vor Allem ein Bethaus, in bem er und sein Sohn die Vorbeter waren. Durch die englisch-

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