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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 54

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Hiermit begann erst jene Schreckenszeit für die Juden Spaniens, an die nian nicht ohne Schauer und Schauder zurückdenken kann, der ewig der Fluch des Himmels und der Menschheit noch in das Grab der Vergangenheit Nachfolgen wird; vor deren grauenhafter Thätigkeit die Muse der Geschichte ewig ihr Antlitz mit dem Trauerschleier des Schmerzes über den tiefen Verfall des Menschengeschlechts verhüllen wird. Die Feuerflammen des Blutgerichtes wälzten sich immer weiter und weiter von Stadt zu Stadt, so daß ganz Spanien einem glühenden, von den Flammen der Hölle geheizten Feuerofen glich, in dem Juda's Söhne und Töchter — gleich Chananjah, Mischael und Asarjah unter Nebukadnezar — die Feuerprobe ihrer Glaubensstärke bestehen sollten. Zum Schmerze wurde noch der Hohn gefügt, daß man am Portale der Blutstätte die biblischen Schriftverse anbrachte: „Auf, Gott! richte die Erde." (Pf. 82, 8.) „Fanget uns Füchse." (Hohl. 2, 15.) Endlich kam der 13. März 1492, wo sämmtliche Juden bei Todesstrafe aus Spanien verwiesen wurden. Da sie nach vier Monaten schon das Land verlassen haben mußten, so wandten sie sich wieder zunächst nach dem nahen Portugal. Sie wurden zwar hier vor der Hand ausgenommen, aber schon nach acht Monaten mußten die jüdisch-spanischen Flüchtlinge auch Portugal verlassen. Vier Jahre darauf, 1496, wurden auch aus Portugal sämmtliche Juden ausgewiesen, und 1497 verbot man ihnen auch die Auswanderung; sondern nahm an ihnen einfach die Zwangstanfe vor. Jetzt hieß es nicht mehr wie früher: Entweder Taufe oder Auswandern, sondern: Entweder Taufe oder Tod. Von nun an gab es also weder in Spanien noch in Portugal — wo am 23. Mai 1536 ebenfalls die Inquisition von Papst Paul III. " eingesetzt wurde — öffentliche, sondern nur geheime Juden, die aber unter dem strengen, teuflisch wachsamen Auge der Inquisition standen. Immer trauriger gestaltete sich die Lage dieser Unglücklichsten aller Unglücklichen, und der Menschenfreund übergeht gerne jenes schwarze Blatt in der Weltgeschichte , worauf die haarsträubendsten Blutgerichtsseenen gegen unschuldige, engelreine Menschenseelen in blutiger Schrift verzeichnet sind, wie ich es auch nur bedauere, dieses traurige Blatt zu meinem Gegenstände aufschlagen zu müssen. Im Jahre 1580 wurde Portugal mit Spanien unter Philipp II. zu Einem Reiche vereinigt. Unter einem Fürsten, der den unsterblich berüchtigten i Ansspruch gethan: Er wolle lieber tausendmal sterben und jede Fußbreite seines Reiches verlieren, als die geringste Veränderung in der Religion gestatten, mußten natürlich die Marianen in Spanien und Portugal ihre Anhänglichkeit und Liebe zum Judentum und ihre Gleichgiltigkeit und Abneigung gegen das Christentum doppelt schwer büßen; und die Inquisition stand in höchster Blüthe. Doch siehe, als die Not Israels den höchsten Grad erreicht hatte und der grausame Philipp sich anschickte, init seiner „unüberwindlichen Flotte" seine > eiserne Herrschaft noch lveiter „bis an die Enden der Erde" auszudehnen und zu befestigen, da kam Israel plötzlich aus einem fernen Winkel die Gotteshilfe, die es aus seinen Drangsalen erlöste; da bewährte sich in wunderbarer Weise buchstäblich das Prophetenwort der heute gelesenen Haftarah: „Und du, fürchte nicht, mein Diener Jakob, und ängstige dich nicht, Israel, denn ich helfe dir ans der Ferne und deinen Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft, und Jakob

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