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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-03-01 · Heft 3 (1.3.1883) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 3 (1.3.1883)
Date
1883-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 m Hätte nun die Kirche damals überhaupt der Stimme der Vernunft Gehör gegeben, so hätte sie ans der Denk- und Lebensweise der Marranen nur die richtige Lehre ziehen müssen, daß Zwangstaufen nicht das rechte Mittel seien, dem Christentuni Eingang in die Herzen Andersgläubiger zu verschaffen, und hätte dem furchtbaren Schauspiele einer gewaltsamen Glaubenseinpressung ein Ende gemacht. Aber die Kirche war damals taub für jede Stimme, die sich gegen ihr fanatisches Wüten gegen die Inden erhob, und so bewirkte das unchristliche Leben der Marranen nur das Gegenteil von dem sich Empfehlenden bei ihr, daß sie nämlich, durch die bisherige vergebliche Verschwendung des Taufwassers gereizt, ihreni fluchwürdigen Feuereifer in der gewaltsamen Judenbekehrung verdoppelte, ja verzehnfachte. Da wurden die grausamsten, unmenschlichsten Gesetze gegen die Juden erlassen und ausgeführt; dort wurden öffentliche theologische Disputationen zwischen Inden und Christen veranstaltet, wo aber — wie bei den Disputationen zu Tortosa 1413 und 14 — anstatt mit Gründen, nur mit blendenden, die lauschende unwissende Volksmasse aufreizenden Phrasen, gegen das Judentum gekämpft wurde. Bald zwang man die Juden, bei den christlichen Predigten in den Kirchen anwesend zu sein; bald drangen wieder katholische Priester in die Synagogen mit der Torah in dem einen und dem Kreuze in dem andern Arm, zur zitternden Gemeinde sprechend: Entweder ihr folget dem Einen, so seid ihr dies- und jenseits glücklich, oder dem Andern, so seid ihr dies- und jenseits verdammt. Natürlich griffen wieder Viele aus Angst zum Kreuze, jedoch auch wieder mit dem Jndeutume im Herzen; dadurch wurde also nur die Zahl derjenigen noch größer, die innerlich mit allen Fasern ihres Herzens an dem angestammten Väterglauben, der Lehre Mosis hingen, während sie äußerlich zum Evangelium sich bekennen mußten. Da ersann die Kirche, von der wilden Zornesglut ihrer zum soundsovielten Male verschmähten Liebe entbrannt, ein Mittel, das dem vollzogenen Taufakte den fürchterlichsten Nachdruck geben sollte. Dieses Mittel war das von ihr eingesetzte, seither zum allgemeinen Schreckbilde gewordene Jnquisitionsgericht, das die Lebensweise der gewaltsam bekehrten Juden überwachen und sie wegen ihrer allenfallsigen Hinneigung zum Judentume und seinen Satzungen unbarmherzig züchtigen sollte. Am 20. November 1451 ermächtigte Papst Nikolaus V. den Bischof von Osnra und den Vicar von Salaiuanka, Inquisitoren zu ernennen. Doch noch sollte nicht das Unglück in seiner ganzen schauerlichen Tiefe über Israel hereinbrechen. Die grausame Verordnung kam diesmal noch nicht zur Ausführung; als sträubte sie sich selbst gegen ihre Verwirklichung. Erst Papst Sixtus dem IV. war es Vorbehalten, dieses schrecklichste aller Blutgerichte für Spanien in's Leben treten zu lassen. Nachdem er im November 1478 das Königspaar Ferdinand der Katholische und Jsabella die Bigotte zur Ernennung von Inquisitoren ermächtigt hatte, wurde von ihnen am 17. September 1480 das erste Jnquisitionstribunal ernannt und vom Papste bestätigt. Dieses erste Ketzergericht eonstituirte sich am 2. Januar 1481 in Sevilla, also in der Stadt, von der auch das furchtbare Judengemetzel im Jahre 1391 zu allererst ausgegangen war. Und schon am vierten Tage nach erfolgter Einsetzung suchte es sich seine ersten Opfer in den Marranenkreisen aus, die — nachdem man ihnen durch die höllische Folterbank das Geständnis abgepreßt hatte, nach jüdischem Ritus gelebt zu haben — zum Feuertode verurteilt und öffentlich verbrannt wurden.

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