Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Der Schreiber dieses Briefes ist: Abraham Zakuto Lusitano, Urenkel des bekannten jüdischen Geschichtsschreibers „Abraham Zakuto, Verfassers des „Juchasin". Er war einer der berühmtesten Ärzte seiner Zeit und widmete eines seiner medizinischen Werke dem Manne, (Caspar Barläus) bem er den vorhin erwähnten Brief als Begleitschreiben der Widmung zugeschickt hat. Er stand auch, was Sie, m H., vielleicht besonders interessieren dürfte, in brieflichem Verkehr mit Friedrich von der Pfalz und seiner gebildeten Frau, ') weiland unserem Königspärchen, das geworden zum Wintermärchen. Dies Alles zusammengenommen, dürfte meine Darstellung bei Ihnen willkommen machen und ihr Ihre freundliche Aufmerksamkeit zulenken. Mit dem Ende des 14. Jahrhunderts beginnt in der jüdischen Geschichte eine Periode, die zu den thränenreichsten und jammervollsten einerseits, hinwiederum aber auch zu den ehrenvollsten und ruhmreichsten andererseits gehört... Auf der einen Seite erblicken wir das gemarterte, blutende Israel im grausigen Feuerscheine himmelanstürmender, flammender Scheiterhaufen; auf der anderen Seite erscheint das mit der heiligen Krone des Gottespriestertums geschmückte, glaubens feste und glaubens st o l z e Israel in leuchtender, vom himmlischen Strahlenglanze der Sinaiflammen verklärter Gestalt. Groß, unbeschreiblich groß ist das Unglück, das in dieser Periode über Israel hereingebrochen, aber noch größer, ja einzig groß in der Weltgeschichte, ist der Ruhm, den Israel durch seine unüberwindliche Glaubensstärke und unerschütterliche Charakterfestigkeit, durch seinen unauslöschlichen Freiheitssinn und unbegrenzten Opfermut, in dieser jahrhundertelangen bangen Periode sich erworben hat. Am 15. März 1391 war's — also kaum zwei Jahre nach dem von einem Priester heraufbeschworenen furchtbaren Judengemetzel in unserer Stadt unter Kaiser Wenzel — da predigte einer jener fanatischen, mordsüchtigen Priester, wie ihrer, namentlich zur damaligen Zeit, die Kirche, die sich so gerne die „Religion der Liebe" nennt, viele anfzuweisen hatte, und wie man sie noch heute im blutigen Bürgerkriege Spaniens antrifft, da predigte ein solcher Priester auf einem öffentlichen Platze in Sevilla Feuer und Schwert, Gift und Tod gegen die Juden. Die traurigen Folgen blieben nicht ans; die aus dem Munde des Priesters geflossenen Giftworte wirkten auf die rohe Menge, die dem Mordredner zu Ehren für seine „zündende" Predigt einige Inden abschlachtete und als blutige Dankopfer auf den Altar der Religion der Menschenliebe uiederlegte. Doch das sollte nur die Einleitung, das blutige Vorspiel sein zu dem eigentlichen erschütternden Drama, das sich am 6. Juni desselben Jahres in derselben Stadt abspielte. Der gefährliche Same, den der blutgierige Priester in die von Judenhaß erfüllten und darum fiir seine Worte nur allzuempfänglichen Herzen der Sevillaner christlichen Bevölkerung gestreut hatte, schoß erst nach drei Monaten als Tod bringende Giftpflanze empor. Am 6. Juni steckten die christlichen Mordbrenner das Judenviertel Sevilla's in Brand, mordeten viel tausende unschuldige Juden, deren Frauen und Kinder sie an die benachbarten Mohamedaner •) S. Grätz, Gesch. d. I., B. X, S. 3. 5*