Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1883)
- Date
- 1883-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 fülle und Tragweite an die Seite gestellt werden könnten. Fast könnte man sich veranlaßt fühlen, ihn für ebensowichtig, ja in gewisser Beziehung vielleicht für noch wichtiger, als die aus der Makkabäerzeit stammenden Chanukatage zu halten. Es war ein Siegesfest des jüdischen Glaubens- und Freiheitsgeistes, das die Amsterdamer Portugiesengemeinde feierte, der mit den Strahlen seines göttlichen Glaubenslichtes die tiefe Geistesfinsternis durchbrach, die dichten Nebel und düsteren Wolken des schmachvollsten Glaubenshasses und Glaubenszwanges zerriß und verscheuchte. Ohne jede äußere Waffe, blos mit der flammenden Glaubensfackel in der Hand besiegte und überwältigte er die mächtigsten, nach vielen Millionen zählenden grausamen Glaubensfeinde. Noch mehr als in den Makkabäertagen bewäbrte sich darum hier das an den Chanukkatagen gelesene Secharjanische Wort: „Nicht durch Kraft und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerschaaren." (Secharj. 4, 6.) Und unsere Gegenwart stellte sich damit wahrlich kein rühmliches Zeugnis aus, daß die auswärtigen jüdischen Gemeinden dieser herzerhebenden Feier gegenüber sich so teilnahmlos und gleichgültig verhielten. Auf den Blättern der jüdischen Geschichte aber wird der leuchtende, mit tausenden bluttriefenden Märtyrerkronen geschmückte, niit tausenden blutgetränkten Opferkränzen gekrönte, von tausenden zum Hiinmel emporschlagenden Opferflammen umstrahlte Name der Amsterdainer Portugiesengemeinde ewig in goldenen Schriftzügen prangen! Denn die Entstehungsgeschichte dieser Gemeinde ist von solch' erschütternden Ereignissen ausgegangen und von solch' ergreifenden Umständen begleitet, wie keine zweite auf dem ganzen Erdenrnnde, wohin Israel im Verlaufe fast zweier Jahrtausende seinen flüchtigen Fuß gesetzt hat. Jeder Jude darf und soll darum mit den Hochgefühlen des edelsten Stolzes und des erhebendsten Trostes, der unauslöschlichen Hoffnung und des unerschütterlichen Gottvertrauens, auf die Entstehungsgeschichte dieser Gemeinde blicken. Ich habe sie nach ihren Hauptzügen in der allermöglichsten Kürze und Genauigkeit zusammengefaßt, um sie Ihnen hier als merkwürdiges Zeitgemälde in dem sehr engen Rahmen einer Einleitung vorzuführeu, die ich dem eigentlichen Gegenstände meines Vortrages notwendig voranschicken muß. Ist ja auch schon darum für unsere Gegenwart die Entstehungsgeschichte dieser Gemeinde von besonderer Wichtigkeit und verdient, dargestellt zu werden, weil doch aus ihrem Schoße der Mann hervorgegangen ist, dem das Volk der Denker im nächsten Jahre zu seinem 200. Todestage in seiner Heimat ein Denkmal zu errichten sich soeben entschlossen hat, wozu schon jetzt die ersten Vorbereitungen in den Gelehrtenkreiscn Deutschlands, seiner posthumen geistigen, und Hollands, seiner natürlichen Heimat getroffen werden. ') Endlich ist auch kürzlich, zu Anfang dieses Jahres, von einen: andern, 1642 verstorbenen Mitgliede dieser Gemeinde ein in der königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München äufbewahrtes, in lateinischer Sprache abgefaßtes Schreiben bekannt geworden, das an einen der zahlreichen nichtjüdischen, gelehrten Freunde und Verehrer unseres Menasse bcn Israel im allerfreundschaftlichsten Stile gerichtet ist. 2) ') Das Denkmal ist seither am 21. ftrbv. 1877 in Haaq errichtet worden. *) S. Frankel-Grätz's Monatsschr., 1878, S. 48.