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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-02-01 · Heft 2 (1.2.1883) · p. Seite 44

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 44 (sequence 20)
Language
German
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44 stehen und hofft, daß durch festes Zusammenhalten der Tausende, in denen die hohen Gedanken der Humanität nicht erloschen sind, der gegenwärtigen Entfremdung, Versöhnung folgen werde. Die auf dem Dresdener Congreß versammelt gewesenen Antisemiten haben ihr bekanntes Manifest auch nach Frankreich geschickt. Das Organ des Präsidenten Grevy, der „Paix", erteilt hierauf die folgende Antwort: „Der Staat, wie man ihn in Frankreich ausfaßt, hat nicht zu fragen nach Glauben oder Race seiner Angehörigen; er beschäftigt sich blos mit ihren Thaten und fordert Unterwerfung unter die bürgerlichen und politischen Gesetze. Ob Christ, ob Jude, ob Muselman oder Buddhist, Frankreich öffnet Allen seine Arnie und hält Alle gleich. Die Rechtsgleichheit ist nicht blos Gesetz in Frankreich sondern auch ins Volksbewußtsein übergegange», daher giebt es keine Judensrage in Frankreich. Das Dresdener Manifest bekunde einen wenig befriedigenden Geisteszustand; man kann darin das ausgesprochene Symptom einer Krankheit erblicken, welche einen acuten Charakter angenommen hat, die aber weder dem Lande, wo sie sich zeigt, noch dem Jahrhundert Ehre macht." Zu erwähnen wären noch einzelne wertvolle Brochüren, in welchen der Kampf gegen den bekannten Pamphletisten Prof. Dr. Rohling geistvoll und ehrlich geführt wird, dessen „Talmudjnde" dadurch, daß die Gerichtsbehörden ihn als Quelle und Beweismaterial zur Entlastung Schuldiger gebrauchen an Bedeutung und Gefährlichkeit gewonnen hat: Der Talmudjude von Rohling in der Schwurgerichtsverhandlung vom 23. Oktober 1882- Zur Abwehr und Verständigung von D. Löwy (Wien 1882, Verlag von D. Löwy). Wir sehen hier den verdienten Verlagsbuchhändler geschickt und tüchtig zu den Waffen greifen und hoffen, ihm noch oft literarisch zu begegnen. Eine andere Schrift des Herrn Dr. I. Bloch „Gegen die Antisemiten" (Wien 1882, Verlag von D. Löwy) enthält Abdrücke aus der Wiener „Allgemeinen Zeitung", die in der Judenfrage oft das Wort ergriffen, während andere Blätter geschwiegen. Hervvrzuheben ist der Artikel „Kinderschlächter" von Rabbiner Dr. Güdemann, dem sich die eigentliche, auf reiches, wissenschaftliches Material fußende Arbeit des Herrn Dr. Bloch „Prof. Rohling und das, Wiener Rabbinat oder die arge Schelmerei" anschließt. Übrigens läßt sich der katholische Professor Rohling auch zu Aenßerungen über den Prvtestantismus hinreißen wie „Wohin der Protestantismus seinen Fuß setzt, da verdorrt und verkümmert Alles, da entsteht Vandalismus und Anarchie", und nennt alle, die den Protestantismus ins Leben gerufen, „Schurken". Herr Dr. Bloch verdient auch den Dank der Protestanten, für die er verteidigend eintritt gegen Rohling, dem Fanatismus und Intoleranz die Augen geblendet, nicht nur in Bezug auf den Talmud, den er nicht kennt, sondern auch in Bezug auf das protestautische Christentum, das er mil Schmutz und Kot bewirft. Genug traurig, wenn man 250 Jahre (24. Nov. 1882) nach Spinoza's Geburt noch mit solchen Ungeheuern der Finsternis ringen muß. Wir wollen hier noch auf zwei interessante Schriften: „Brvdy und die russisch-jüdische Emigration", nach eigener Beobachtung erzählt von Leo Goldstein (Frankfurt a. M., Commissionsverlag von I. Kauffmann, 1882) und auf die bei Louis Gaschel (Gustav Graßmann) in Berlin in zweiter vermehrter Auflage erschienene Schrift „Die Londoner Rathhausversammlung für die verfolgten russischen Juden unter dem Vorsitz der Lord Mayor am 1. Februar 1882" hingewiesen haben. In Goldstein's Schrift werden die Leiden der Verfolgten und die aufopfernde Teilname für dieselbe ausführich geschildert, und die Londoner Rathhausversamm-

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