Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1883)
- Date
- 1883-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Haupt alles, wodurch auch nur der leiseste Schatten auf Israels Glauben und Israels Namen fallen könnte, mit einem Worte: Chiliul ha-Schcm; dagegen kein Opfer und wäre es noch so groß, zu scheuen, wenn es gilt, den Namen Gottes zu heiligen, d. h. vor der Welt Zeugnis abzulegen, daß das Judentum die reinste Gotteserkenntnis, das strengste und lauteste Sittengesetz und allgemeine Menschenliebe lehrt, mit einem Worte: Kiddusch lm-Schem. Die Männer, welcke für diese Heiligung des' göttlichen Mannes ihr Leben geopfert haben, werden daher in Israel Heilige genannt. Das biblisch talmudische Judentum bestärkt seine Bekenner in der Hoffnung, daß alle Völker durch immer fortschreitende Erkenntnis und Veredlung, herbeigeführt durch das Zusammenwirken ihrer weisesten Männer und besten Geister, zu einer solchen Höhe sittlicher Vollkommenheit sich emporringen werden, daß das höchste Ideal der Liebe, des Friedens und der Verbrüderung unter den Menschen auf Erden erreicht sein wird, und legt es ihnen — seinen Bekenner« nämlich — ans Herz, selbst mit dem Beispiele voranzugehen, in Frieden und in Eintracht brüderlich und liebevoll init allen Menschen zu verkehren, um dadurch beizntragen, daß dieser ideale Zustand allmälig herbeigeführt werde, eine Zeit, in welcher kein Volk über das andere herrschen, sondern frei für sich und friedlich mit den übrigen leben wird. Eine jüdische Weltherrschaft kennt und lehrt das Judentum durchaus nicht, sondern eine Gottesherrschaft oder ein Gottesreich allgemeiner Liebe und allgemeinen Friedens. Möchten die Orthodox-Conservativen, die Jellinek in sein Glaubensbekenntnis einschließt, das als ein sehr zeitgemäßes, auf literarischer Basis ruhendes Schriftstück angesehen ist, sich ihm auch anschließen, sie befassen sich indes mit ganz anderen, wichtigeren Dingen und geben das ihnen viel wichtigere Glaubensbekenntnis über das Verhältnis des Waizens zum Regenab. Wir verweisen nur auf folgenden Erlaß: Würzburg. Nachdem es während der jüngsten Waizenernte fast an allen Orten unserer Gegend stark und anhaltend regnete, beregneter Waizen aber zu Mazzos religionsgesetzlich nicht verwendet werden darf, sieht man sich veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, nur solchen Waizen zu Mazzos zu verwenden, der aus Gegenden bezogen, wo obige Bedenken nicht vorhanden, so namentlich aus Ungarn. Der löbl. Vorstand wird Vorstehendes in dortiger Gemeinde geeignet und mit dem Bemerken bekannt machen, daß auch hinsichtlich des Bezuges von gebackenem Mazzos Vorsicht geboten und solche nur von da bezogen werden dürfen, wo über obige Punkte völlige Gewißheit herrscht. Der Distriktsrabbiner. Wir könnten noch manche uns zugegangene interessante ähnliche Erlässe und Kundgebungen mitteilen, die Helle Schlaglichter auf die niederen, verfallenen Zustände des Judentums werfen, doch wir wollen vorerst noch schweigen und viele Gemeinden, die die Krone ihres Ansehens in den Staub getreten haben, nicht so öffentlich der Beschämung preisgeben. In derselben Stadt, wo ein orthodoxes jüdisches Blatt erscheint, in dem obiger Erlaß abgedrnckt ist, erscheint auch ein antisemitisches Blatt die „Wucherpille" von W. E. Windecker. (Mainz), eine literarische Wucherpflanze, dienur an Sümpfen gedeihen kann. — Am 16. Nov. 1882 hielt Herr Prediger Scholl ans Nürnberg im Frankfurter Kaufmännischen Vereine einen höchst interessanten Vortrag : „Über die Ideale einer schöneren Zeit und die Entfremdungen in der Gegenwart." Ererblickt in der Ablenkung von hohen Idealen ans religiösem Gebiete die Ursache der eingetretenen Misstimmnng zwischen Juden und Christen, er sieht in den gegenwärtigen Bewegungen den alten unseligen Religionshaß von Neuem er- 4*