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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-02-01 · Heft 2 (1.2.1883) · p. Seite 42

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 42 (sequence 18)
Language
German
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42 allen obliegt, die zur jüdischen Gemeinschaft sich rechnen, ohne Unterschied der Bildung und der Lebensrichtnng, ob sie orthodox-conservativ oder liberal-fortschrittlich gesinnt sind, Folgendes: Das Gebot der Thora: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", und die Erläuterung des weisen Mischnalehrers Hillel, die er einem Heiden, der dem Judentume sich anschließen wollte, als die Summe und den Mittelpunkt der Thora gegeben hat: „Was du nicht willst, daß man dir thue, das thue auch Andern nicht", umfassen alle Menschen ohne Unterschied der Abstammung, der Sprache, der Nationalität, der Staatsangehörigkeit und des konfessionellen Glaubens. Jeder Israelit ist verpflichtet, seinen Nebenmenschen, Juden wie Nichtjuden, als ein im Ebenbilde Gottes geschaffenes Wesen und als ein Mitglied des Menschenbundes zu lieben, ihn als seinen Mitbruder zu betrachten, brüderlich und liebevoll zu behandeln, ihm nicht zuzufügen, was er nicht will, daß man ihm selbst thue. Das Judentum spricht auch keinem Menschen, in welcher Weise und durch welche Formen sein religiöser Glaube und sein Gottesbekenntnis in die Erscheinung treten möge, die Seligkeit ab, sobald sein Lebenswandel den Forderungen des im Laufe der Jahrhunderte zur sittlichen Norm aller europäischen Culturvölker gewordenen jüdischen Moralgesetzes entspricht; stellt ihn vielmehr als einen „nicht-jüdischen Frommen" demjenigen gleich, welcher im Judentum geboren ist und dessen Satzungen und Gebote beobachtet. Gleichwie das biblisch-talmudische Judentum im Punkte der Nächstenliebe keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden kennt, sondern das Band der Liebe um alle Nationen und Confessivnen, um die gesammte Menschheit schlingt und sie dadurch zu einem Bruderbünde macht; ebenso ist ihm eine solche Unterscheidung im Handel und im Verkehr, in allen bürgerlich?», staatlichen und socialen Beziehungen vollkommen fremd. Es verlangt von seinen Bekenner«. Rechtlichkeit, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Treue dem gegebenen Worte, der gemachten Zusage und dem geleisteten Eide schlechthin, unbedingt, ohne Vorbehalt, ohne Einschränkung, ohne Ausnahme gegen jeden Menschen, welchem Volke, welchem Staate und welchem Glauben er angehören möge. III. Das biblisch-talmudische Judentum gebietet allen seinen Bekennern, die in der Zerstreuung in allen Weltteilen leben, treu und ergeben zu sein dem Vaterlande, welchem sie angehören, seinen Gesetzen sich zu unterwerfen, seiner Obrigkeit zu gehorchen, den Regenten des Landes als hehr und heilig zu ehren, die Sicherheit, die Macht, die Ehre und den Ruhm des Vaterlandes, im Kriege wie im Frieden, zu wahren und zu fördern, den Mitbürgern ohne Unterschied der Confession sich innig und brüderlich anzuschließen, mit einem Worte: Das Wohl des Vaterlandes als ihr eigenes zu betrachten. IV. Das biblisch-talmudische Judentum schärft seineil Bekennern mit unerbittlicher Strenge ein, alles zu vermeiden und zu unterlassen in Wort und That, wodurch der Name Gottes entweiht, die Lauterkeit des israelitischen Glaubensbekenntnisses getrübt, die Ehre des jüdischen Namens verdunkelt werden, über-

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