Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1883)
- Date
- 1883-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40 Nachschrift. Baruch Spinoza ist am 24. November 1632 geboren; es sind an diesem Tage 25,0 Jahre geworden, daß ein großer Denker das Licht der Welt erblickt hat. Wir haben nicht gehört, daß in der allgemeinen gelehrten Welt dieses großen Mannes und bedeutungsvollen Tages wieder gedacht worden ist, und doch gehört Spinoza der ganzen Welt an, und es hätte sich geziemt, in dieser Zeit der konfessionellen Anfeindung auch auf den Mann hinzuweisen, welcher nicht blos groß unter den Juden, sondern für Alle war und noch ist. Wir haben nicht unterlassen, an dem 200sten Gedenktage seines Todes das Andenken Spinoza's anfzufrischen (s. meinen „Spinoza re.")', thun wir das Gleiche auch an dem 250sten Gedenktage seiner Geburt. Wir bedauern dabei die Umstände, welche die rechtzeitige Veröffentlichung dieser Denkschrift verzögert haben. Or. R. W o n a 1 s s ch a u. Einem uns zugegangenen Wunsche entsprechend, werden wir ab und zu zeitgeschichtliche Rückblicke unter dem Titel „Monatsschau" veröffentlichen, in welcher wichtigere Ereignisse innerhalb des Judentums in Kürze erwähnt und auch literarische Neuigkeiten und Zeitbrochüren zur Besprechung gelangen sollen. Wir werden jede uns zugehende wichtige Notiz in den betreffenden Artikeln zu verwerten suchen und dankbar entgegennehmen. Beginnen wir gleich mit einer freudigen Mitteilung. Wie uns aus Petersburg geschrieben wird, trügt sich der bekannte russische Eisenbahnkönig Polyakoff mit dem löblichen Gedanken, eine halbe Million Rubel zur Gründung eines Rabbinerseminars für Rußland zur Verfügung zu stellen. Wir sind der festen Überzeugung, daß derartige Verbesserungen geistiger Zustände ihre eminent praktische Bedeutung haben und wäre es an der Zeit, daß auch die Gemeinden in Deutschland, durch die Ereignisse geweckt, endlich darangiengen, aus ihren Gesammtmitteln eine Academie der jüdischen Wissenschaft ins Leben zu rufen, die als die officielle geistige Vertretung der jüdischen Gemeinden Deutschlands anzusehen wäre. Die Ausbildung von tüchtigen, auf der Höhe der Zeit und der Wissenschaft stehenden Rabbinern wie von tüchtigen Lehrern ließe sich damit leicht in Verbindung bringen. Auch würde man die Anlegung einer Centralbibliothek der jüdischen Literatur dadurch fördern helfen. — Der berühmte Buchhändler und Bibliophile Herr Fischel, der unermüdlich nach allen Windrosen und Erdteilen reist, um Bücher und Handschriften aufzuspüren, hat in Spanien ein Manuscript angekauft, welches ein Stück des jerus. Talmud und einige alte talmudische Traetate enthält. — In Paris hat ErnstRenan im November v.J. der Academie der Inschriften die Photographie eines Steinfragmentes präsentiert, welches von einem großen Block abgelöst wurde und auf dessen linker Seite die Büste eines Menschen erscheint, dessen Kopfhaar in eigentümlicher Weise geordnet ist. Eine fragmentarische syrische Inschrift auf dem Steine hat eine lebhafte Diseussion hervorgerufen. Die erste Zeile schließt mit: „Von Unserem Herrn", die zweite mit dem Epitheton: „Anbetnngswert", die dritte mit den Worten: „Dem Könige von Edessa." Indem sich Renan auf