Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1883)
- Date
- 1883-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969698-2969701--0662-2971091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
31 Uebereinstimmung mit der Auffassung und Darstellung der Bibel: Gott schafft die Welt aus Nichts, aus sich, in realistischer Unterscheidung der stofflichen Dinge der Welt und dem Geiste Gottes, und doch in monistischer Einheitlichkeit. Diese Monadenlehre ist anch ans die neuere Wissenschaft übergegangen Der Dualismus ist da aufgehoben, indem die Kraft von Anfang an in der ursprünglichen Monade dem stofflichen Atome anhaftet und innewohnt, die Idee also von vornherein, wenn auch nur atomistisch, in sinnlich wahrnehmbarer, stofflicher Erscheinung auftritt. Aber dieser Materialismus der Neuzeit ist himmelweit verschieden vom Spinozisnms, der noch immer Gott und die geistige Idee im Gegensätze zum materiellen Atome festhält, ohne in _ den Dualismus zurückzufallen. Die Idee schafft sich erst, wenn auch sofort in dem Augenblicke, wo sie aus dem Geiste Gottes hervortritt, mittels der ihr innewohnenden Kraft und göttlichen Eigenschaft der Ausdehnung den adäquaten Stoff. In gleicher Weise nennen wir ja auch biblisch die Welt ewig, obgleich Gott früher als die Welt gedacht werden muß. Der Unterschied ist nur ein begriflicher, kein wirklicher, weil die Schöpfung der Welt für Gott von Anfang an eine innere Notwendigkeit war, ohne Welt also gar nicht gedacht werden kann, und obwohl Gott der LVelt vorausgieng, Raum- und Zeitunterschiede für Gott nicht vorhanden sind- Spinoza spricht deshalb auch nicht von Kräften, sondern von Ideen, denn die Kraft existirt in Wirklichkeit nicht getennt für sich, sondern nur gebunden in dem ihr adäquaten und von Anfang an zugehörigen und gleichsam miterfchaffenen Stoffe. Nach Spinoza findet auch nicht eine Entwickelung der Naturdinge aus einander und aus einer ersten Urquelle statt, welcher Vorgang ein rein materieller ist, sondern für jedes Ding geht die geistige Idee von Gott aus, nach welcher sich jedes Ding in seiner Besonderheit gestaltet. Auch nach der Bibel schuf Gott jedes Ding „nach seiner Art." Wir erkennen demnach hierin die Uebereinstimmung Spinoza's mit dem biblischen Judentum und den Unter-, schied zwischen ihm und den Materialisten. Wir erkennen, daß, wie Spinoza nicht zu den Materialisten, so auch nicht zu den Pantheisten und Atheisten gerechnet werden darf. Von diesen Verwirrungen ist er nicht nur weit entfernt, er steht ihnen schroff gegenüber. Bei Spinoza ist immer noch Gott und eine geistige Idee vorhanden, bei den Materialisten nur eine stoffliche Naturkraft. Die Naturreligionen der Alten waren pantheistisch, weil man die Dinge der Welt als selbständige Wesen ansah, nicht von Gott geschaffen, sondern selbst Götter. Der Materialismus der Neuzeit ist atheistisch, weil man auch hier die Dinge nicht als von einem außerweltlichen Gotte geschaffen, sondern als durch sich selbst entstanden ansieht. Bei Spinoza aber ist Gott der Anfang aller Dinge und vorweltlich, sein eigner Grund und Ursprung, nicht geschaffen, sondern der Schöpfer der Welt, ganz nach der biblischen Auffassung und Darstellung. Die Bibel läßt nur die Art der Schöpfung, das Verhältnis des Geistes zur Materie unvermittelt und unerklärt, wie aus dem Geiste der heterogene Stoff entstehen, durch ihn geschaffen werden konnte. Vom religiösen.Standpunkte für das empfindende Gemüt und das gewöhnliche Denken ist eine Erklärung hierüber auch nicht erforderlich. Dafür genügt es zu sagen: Gott ist allmächtig, seine Allinacht vermag Alles. Das philosophische Denken aber verlangt eine solche Erklärung und forscht darnach. Alle im Dualismus wurzelnde Philosophieeu der Vorzeit finden eine genügende Erklärung nicht. Spinoza sucht sie nach jüdischchiblischem Vorgänge in dem Monismus. Er sagt: Gott schafft die Idee; diese ist geistiger Art, aber ihr wohnt die Kraft inne, sich zu realisieren. Die