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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-02-01 · Heft 2 (1.2.1883) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 lich bemerkt gefunden, daß in den jüdischen Synhedrien die Majorität allein nicht maßgebend war, sondern auch auf Seite der Entscheidenden die größere Intelligenz vorhanden sein mußte. Von dem Lyddensischen Beschlüsse, daß das Studium den Vorzug vor dem gewohnten Thun habe, weil das rechte Wissen erst zur rechten That führe, muß doch ein Mann, der über den Talmud schreibt, etwas gehört haben. Daß irgend ein Jude es mit dem sittlichen Thun nicht so genau nimmt, ist ja möglich, wie es ja auch Christen dieser Art giebt, aber dafür ist der Talmud nicht verantwortlich zu machen. Wer mit den Anfangsgriinden der Talmudkenntnis vertraut ist, weiß, daß die Rabbinen, was sie sogar selbst zugestehen, einer hyperbolischen Ausdrucksweise sich bedienen. Wenn es z. B. im Pesachün-Tractate heißt: Einen Am ha-Arez darf man wie einen Fisch zerreißen, so ist das selbstverständlich nicht buchstäblich gemeint, sondern damit ein scharfes Verdict gegen die die ideale höhere Geistesbildung verschmähende Richtung roher Menschen ausgesprochen. Für Herrn Daab sind solche Säze, die er mit viel Behagen produziert (S. 13), baare Münze. Auf die talmudische Symbolik will sich nun Herr Daab schon gar nicht verstehen. Er mutet z. B. allen Ernstes den Talmudisten den Glauben zu, daß Gott Tefillin aulege, währendem mit diesem Ausdruck nur zu verstehen gegeben wird, daß so wie Israel liebend des einen Gottes sich erinnert, so auch der Ewige seines Volkes stets in Treue eingedenk bleibe. Ein anderes Mal will ihm die Hagada, daß in jeder Nachtwache Gott wie ein Löwe brülle, nicht gefallen. Der Ausdruck klingt ja auch, oberflächlich gelesen, nicht gut, die Behauptung erscheint barok, aber liest man die Stelle nach, dann weiß ein kundiger Mann bald, wie es mit derselben sich verhält. Der Ausdruck selbst ist ja eigentlich biblisch: Der Herr brüllt von der Höhe herab, läßt von seinem heiligen Wohnsitze seine Stimme ertönen (Jer. 25, 30). In der Bibel wird damit die Furchtbarkeit der strafenden Gottheit bezeichnet, hier ist er zur Darstellung des göttlichen Mitleids verwendet. Der Hagadist will nämlich darthun, daß die Liebe des Ewigen die Leiden des aus seiner Heimat vertriebenen Israel nicht zulassen könne , daß aber dennoch diese durch die Gerechtigkeit, die Gott üben muß, zur Notwendigkeit geworden seien. In der einsamen, finsteren Nacht läßt er den bangen Schmerzensruf der klagenden Gottheit ertönen, des ewigen Erbarmers, der um das in das Elend hinausgetriebene Israel klagt. Diese und ähnliche Hagadas sind poetisch aufzufassen, sie sind Bruchstücke einer Theodicee, von der das jüdische Volksgemüt jener Zeit erfüllt war. Ein klagender Gott, der in der Nacht seine himmlischen Höhen verläßt, um auf Erden in einsamer Finsternis dahinzuirren und um die verlassenen Kinder zu weinen! Hätte die alte Mythologie eine solche Gestalt, Dichter, Maler und Bildhauer hätten dieses Stoffes sich bemächtigt, um ihn darzustellen. Ja manche hagadische Schilderungen erscheinen uns grotesk, mührchenhaft, allein sie müssen deshalb auch nur als poetisierende Abschweifungen angesehen und danach erklärt werden. Wir haben nicht nur eine ethische, historische und exegetische, wir haben auch eine mythische Hagada, die besonders im babylonischen Talmud stark vertreten ist und zum Teile sogar direkt den persischen, ägyptischen und römischen Sagenkreisen entlehnt ist. Die wenigeil Beispiele aus Daab's Buche genügen, um Ihnen zu zeigen, wie oberflächlich dieses Buch gehalten ist und welch eine starke Rolle das subjective Raisonnement in demselben einnimmt. Zum Schlüsse lassen sie mich noch in Kürze sagen, welche Stellung der Talmud gegenwärtig im Judentume hat und wie wir uns demnach in dem Kampfe, der gegen ihn geführt wird, zu verhalten haben. Manche Verteidiger desselben meinen, sie müßten per fas et nefas alle

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