Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1883)
- Date
- 1883-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Säze des Talmuds, gegen welche die Angriffe der Gegner gerichtet sind, verteidigen und die Unfehlbarkeit des Talmuds über allen Zweifel erheben, ohne daß das eigentlich ihre Absicht ist. In Wahrheit ist das gar nicht nötig. Vergessen wir nicht, daß zwischen dem Abschlüsse des Talmud und der Gegenwart ein Zeitraum von ca. 1300 Jahren liegt. Das Judentum hat seitdem verschiedene Entwickelungsphasen durchgemacht und ist namentlich in unserer Zeit dadurch, daß der Bildungsstand und die sociale Stellung der Bekenner des Judentums eine völlige Änderung erfahren hat, in ganz andere Bahnen getreten. Juden und Christen haben früher einander nie recht gekannt und verstanden. Der Talmud ignorirt das Christentum, wie er die jüdische Geschichte der nachbiblischen Zeitalter ignorirt, er ignorirt die ihn umgebende Welt, sein Ideal ist die Wiederherstellung der Vergangenheit, in der nach talmudischer Lehre die spätere Tradition mit allen ihren Verzweigungen bereits ausgebildet war. Wir hahen die Zukunft vor Augen, wir wollen den religiösen Fortschritt, der durch das Christentum in großen Kreisen bewerkstelligt wurde, gern anerkennen, dem Fortschritt des Judentums gerne den Weg bahnen. Der Talmud ist für uns eine Materialiensammlung, ein Repertorium alten Traditionsstoffes, den wir kritisch prüfen und nach richtiger Einsicht und den religiös-sittlichen Prinzipien, die die Propheten uns gelehrt, in Anwendung bringen. Auf die Innerlichkeit des religiösen Lebens, auf den lebendigen Gottessinn müssen wir unser Judentum wieder zurückführen, auf Wahrheit und sittliches Streben den Hauptwert legen, dann handeln wir im Geiste unserer Propheten und auch im Geiste unserer Weisen. Der Talmud ist nicht zu fertigem Abschlüsse gelangt und der freien geistigen Fortentwickelung des Judentums steht nichts im Wege. Nicht der Talmud, sondern der Misbrauch des Talmuds sowohl von christlicher Seite zu gehässigen Angriffen, als auch von jüdischer Seite zu künstlicher Verteidigung überlebter Anschauungen und überwundener Standpunkte ist es, was da Schaden stiftet. Seien wir gerecht und man wird uns Gerechtigkeit widerfahren lassen, seien wir ehrlich, und man wird uns Ehre entgegenbringen, schaaren wir uns um die Fahne der Wahrheit und wir werden die Angriffe der Lüge und Gehässigkeit siegreich zurückweisen und aus dem Wege der Versöhnlichkeit gelangen wir zum Frieden. Spinoza. Die Uebereinstimmung seines philosophischen Gottesglaubens mit der monotheistischen Grundlehre des Judentums. Baruch Spinoza, dem großen Denker, ist am 14. September 1880 im Haag auf der Paveljonensgracht, wo er zuletzt gewohnt hat, das Denkmal errichtet worden, zu welchem man ungefähr vier Jahre vorher bei Gelegenheit der Gedenkfeier an seinen vor 200 Jahren erfolgten Tod den Plan gefaßt hatte. An der Spitze des Komite's hierfür hatte der holländische Kriegminister a. D- Graf v- Limburg-Stimm und der Bibliothekar des Königs Dr. Campbell gestanden. Bei der Gedenkfeier war Ernst Renan, bei der Enthüllungsfeier Prof van Bloten der Festredner. Die Rede ist gedruckt, aber in holländischer Sprache gehalten, leider nicht in einer internationalen Weltsprache. Wäre sie