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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-02-01 · Heft 2 (1.2.1883) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 2 (1.2.1883)
Date
1883-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 Gegenwart sprechen, dann können wir uns auch die Frage, wie dasselbe in der christlichen Gelehrtenwelt betrieben wird, nicht ersparen. Der Talmud gehört nicht blos der Jndenheit, sondern auch der Menschheit an, der Wissenschaft, der allgemeinen Weltliteratur. Ein so umfassendes, inhaltreiches Werk, das — von allem Anderen zu schweigen — so massenhaftes Material für Sprach-, Geschichts- und Altertumskunde darbietet, kann nicht unbesehen bei Seite geschoben und in die Ecke geworfen werden. Die Wissenschaft, deren Hauptaufgabe ja darin besteht, Vorurteile zu zerstreuen und zu beseitigen, kann unmöglich selbst für die Dauer unter dem Banne eines Vorurteils stehen. Woher auch der Talmud stammen und was immer er enthalten mag, die Wissenschaft kann ihn nicht liegen lassen und sich ihm hartnäckig verschließen. Man kann auch den christlichen Gelehrten in der That nicht den Vorwurf machen, daß sie den Talmud und das verwandte Schrifttum übergangen und die nachbiblische jüdische Literatur der Vernachlässigung preisgegeben hätten. Im Gegenteile! im 17. und 18. Jahrhunderte, wo unter den Juden selbst die gelehrten Kenner des Talmuds sich in künstlichen verschrobenen Auslegungen desselben gefielen und die wenigsten von einer wissenschaftlichen Behandlung desselben auch nur eine blasse Ahnung hatten, waren es christliche Gelehrte, die eine solche für ihn schufen, die das Studium des Talmuds methodisch betrieben und eine allseitige, gründliche Erforschung seines Inhaltes sich zur Aufgabe machten. Wenn man bedenkt, wie außerordentlich schwer es für sie war, auf diesem ihnen so fremden Literaturgebiete sich heimisch zu machen, ja auch nur die rudimentären Elemente talmudischen Wissens sich anzueignen, so kann man nicht genug darüber staunen, daß sie es in diesem Fache so weit gebracht und darin so Bedeutendes geleistet haben. Und es waren nicht blos einzelne abseits stehende Forscher, die sich dieses wenig gekannten und wenig gewürdigtenWissensstoffes erbarmten, sich in den Besitz einer literarischen Specialität setzten und daraus eine Art Monopol für sich machten, nein! wer auf theologische Gelehrsamkeit Anspruch machte, mußte auch in dem talmudischen Schrifttum« sich ein wenig umgesehen haben. Es gab aber auch viele hervorragende Gelehrte, die nicht etwa nur nebenher auch etwas Talmud trieben, sondern ihren ganzen Fleiß und Eifer daran setzten, den Inhalt der rabbinischen Literatur fiir die Wissenschaft nuzbar zu machen. Eine Unzal von größeren und kleineren Werken, von Abhandlungen und Dissertationen, die in jenen Jahrhunderten veröffentlicht wurden, legt heute noch Zeugnis ab von der Blüte, zu der damals das Talmudstudium in der christlichen Gelehrtenwelt gelangt war, und es sind fast ausnamslos wertvolle, lehrreiche Schriften, in denen zu klarem Verständnis und umfassender Sachkenntnis oft scharfsinnige, wissenschaftliche Behandlung, ja auch volle Beherrschung des talmudischen Lehrstoffes sich gesellt. Die auf das nachbiblische jüdische Schrifttum sich beziehende christlich-theologische und archäologische Literatur jener Zeit ist so reich, daß hier nicht einmal die nennenswertesten Beispiele alle angefiihrt werden können. Viele Tractate des Talmuds wurden in's Lateinische übersezt und dabei mit fortlaufenden Erläuterungen versehen. Aus dem Commentar zu dem Seraim-Tractate von Guisius konnten gelehrte Rabbiner Manches lernen und dasselbe gilt auch von manchen anderen Werken dieser Art. Surnhuys machte der Gelehrtenwelt die ganze Mischna zugänglich, indem er, die Vorarbeiten Anderer benuzend, eine vollständige lateinische Übersezung derselben herausgab. Buxtorf's lexicon talmudicum mag den Anforderungen, die nach dem heutigen Stande der Wissenschaft an ein Wörterbuch der altrabbinischen Literatur gestellt werden müssen, nicht in umfassendstem Maße genügen, man weis ja auch, 3*

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