Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-01-01 · Heft 1 (1.1.1883) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (1.1.1883)
Date
1883-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969700--0639-2971067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 mir zu. Werdet ihr einig sein, so werden eure Feinde vor euch auf sieben Wegen fliehen, denn ihr seid ein starkes Volk, wird aber Streit und Blutvergießen unter euch ausbrechen, dann werdet ihr vor euern Feinden keinen Bestand haben, sie werden wider euch aufstehen, euer Reich zerstören, euern Namen verlöschen und euere Großen in's Exil treiben, daß ihr wie wir Juden in der Fremde leben werdet. Sr sprach er mit eindringlicher Rede die ganze Nacht hindurch bis am Morgen, bis er die Krone niederlegte und die Hände zu Gott erhob: Du weißt es, o Gott, daß ich das nicht für meine und nicht für die Ehre meines Hauses gethan habe, sondern zu deinem und deines Volkes Ruhm. Als der wirkliche König gewählt war, kehrte Saul nach Briesk zurück, wo ihn alle Fürsten, Grafen und Herren besuchten, Geschenke brachten und seine Ratschläge einholten. Nun widmete sich Saul wohlthätigen Werken; er baute eine Synagoge, ein Lehrhaus, ein Krankenhaus, eine Gasse für Wittwen und Waisen, ein Gemeindehaus, ein Haus für das Rabbinat. Er legte eine große Bibliothek an und war nach allen Seiten wohlthätig. Ob diese zwei Königsberichte irgend einen wirklichen Hintergrund haben, oder ob sie bloße Sagen sind, ist nicht bekannt. Vielleicht sind beide eines und dasselbe mit Verwechslung der Namen. Jedenfalls werden in vielen Kreisen, wo diese Sagen bekannt sind, dieselben als Grund für die besondere Freundschaft der Polen für die Juden hingestellt. Ob diese Freundschaft in den vergangenen Zeiten wirklich geherrscht hat, diese Frage gehört der Geschichte an, obgleich es nicht zu leugnen ist, daß die Juden in Polen im Vergleich zu den Juden in andern Ländern sich leidlich befanden. Wie steht es aber heute, wo der Antisemitismus von Deutschland auszog und seinen verheerenden Zug über einen großen Teil Europas hält? Die Christen Galiziens lassen auf ihre jüdischen Brüder in Galizien nichts kommen, sie sind gegen dieselben human, tolerant. Man hat auch wirklich iu Galizien noch von keiner antisemitischen Volksversammlung gehört. Ist es nicht der Humanität zuzuschreiben , so erfordern es die Nationalverhältnisse; denn in Galizien ist die Nationalität zersplittert, in Deutsche, Polen, Rutänen, demnach kann man es mit dem Juden nicht verderben. Allein die Gegenwart hat große schwarze Punkte am jüdischen Himmel aufzuweisen, davon nächstens. Mer die Juden in Sibirien. Es ist erfreulich in einem jüngst in Köln von Wilhelm Jost erschienenen Buche „Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien" Einiges über die Zustände der Juden in Sibirien zu erfahren, was ein gleich günstiges Licht auf die Juden in Sibirien wirft, wie auf die russische Regierung, die in Europa asiatisch und in Asien europäisch gegen die Juden vorgeht. Der Verfasser schreibt: Die Einkäufe gehen in Sibirien leicht von statten, weil beinahe alle Ladenbesitzer deutschredende Juden sind. Es ist im höchsten Grade auffallend, daß hier im Herzen Asiens deutsche und polnische Juden und deren Abkömmlinge die Vertreter des Deutschtums sind, während man diese in unserm lieben Vaterlande nicht als Deutsche gelten lassen will. Ich möchte jedem enragirten Antisemiten raten, einmal die Tour durch Sibirien zu machen, und wenn sein Gemüt nicht ganz verknöchert ist, so wird er, zumal wenn er selbst kein Russisch spricht, mir zugeben müssen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.