Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Piast, man setzte ihm die Krone auf. Und Piast wurde zum Könige ausgerufen. (O. Steruberg Geschichte der Juden in Polen, S. 4.) In dem sehr seltenen Büchlein Gedulath Saul befindet sich eine jüdische Königsgeschichte, welche A. Bernstein in seinem Roman Mendel Gibbor bearbeitete. Er legt sie einem alten Mütterchen Namens Malta in den Mund. Was da Seite 136 u. s. w. im Jargon von dieser alten Matrone erzählt wird, geben wir hier in deutscher Sprache wieder. In Padua lebte der berühmte R. Meier, welcher die nach ihn benannten Rechtsgutachten verfaßte. Nach seinem Tode hinterließ er einen Sohn R. Samuel Juda, welcher in Padua zum Rabbiner gewählt wurde. Dieser hatte einen Sohn Namens Saul, welcher, um sich im Talmud auszubilden, von Gemeinde zu Gemeinde wanderte, bis er endlich nach Briest in Polen kam, wo er auch blieb. Polen war damals ein Wahlreich; der Adel versammelte sich, so oft die Krone erledigt war, und wählte einen König. Unter dem damaligen Adel ragte der Fürst Radziwil durch Kenntnisse, Wissenschaften und Besitztümer hervor. Ihm gehörte Briest an. Bei ihni hatte sich Saul, welcher in Briest die Tochter eines gewissen David Drucker geheirathet hatte, durch seine Klugheit und Sprachkenntnis in große Gunst zu setzen gewußt, so daß ihn der Fürst zu seinem Ratgeber und steten Begleiter machte. Als die Fürsteil einmal in Krakau zusamnientraten, üm den erledigten Thron zu besetzen und einen König zu wählen, da erschien auch Radziwil mit seinem Geheimrat Saul. Allein die Fürsten konnten sich bei der Kvnigsivahl nicht einigen, und waren bis zum letzten Tage der Entscheidung uneinig. Die Wähler waren so erhitzt, daß einige Fanatiker die Schwerter zogen, und beteuerten , daß Blut fließen müsse, wenn sie mit ihrem Kandidaten nicht durchdringen. Als der Kampf anr heftigsten war und ein Blutvergießen unvermeidlich schien, da sprang Radziwil auf den Tisch und rief mit lauter Stimme: Hört ihr Herren Polens, ich will Euch auf die Dauer einer Nacht einen König geben, damit wir Zeit gewinnen, über die Wahl uns zu einigen, morgen früh wird er die Krone niederlegen und wir werden sie dem in Uebereinstimmung gewählten Könige auf das Haupt setzen; dieser Nachtkönig, der sich keine Gewalt erlauben wird, sei Saul. Der Lenker im Himmel lenkte die Herzen des ganzen Adels zum Ruhme Israels, und alle riefen einstimmig aus: Der Jude Saul sei heute Nacht unser König. Saul wurde herbeigeholt, mit königlichen Gewändern bekleidet, mit Krone und Szepter, mit dem königlichen Schwerte, mit einer Halskette und dem königlichen Siegel geschmückt auf den Thron gesetzt, und alle riefen einstimmig: Es lebe unser Herr und König Saul. König Saul beurkundete in dieser Herrschernacht seine Weisheit, so daß der ganze Adel sich seinem Throne näherte und ehrfurchtsvoll auf seine Stimme lauschte. Da erhob er seine Rede: Mein erstes Wort gilt voller Demut dem Allmächtigen. Gelobt sei er, zu ihm richte ich mein Gebet. Dann will ich etwas für meine Glaubensbrüder thun, über welche der Name Gottes genannt wird. Sofort schrieb er die Gleichgerechtsame der Juden in Krakau nieder, welche niemals verändert wurden: Hört ihr Fürsten von Polen, ich bin ein Jude, ich stamme von dem Volke ab, welches Gott auserwählte von allen Völkern, und ihnen einen König Namens Saul gab. So lange die Juden einig waren, erhöhete Gott ihre Macht, und gab ihnen einen gesalbten, als aber Streit und Blutvergießen unter ihnen ausbrach, wurde das jüdische Reich verwüstet und das jüdische Volk nach allen Enden und Ecken der Welt zerstreut. Darum hört