Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 freude sehe, mit welcher die Antisemiten unsere inneren Schäden betrachten, desto dringender möchte ich meinen jüdischen Mitbürgern jene Pflicht der Gründung eines Vereins zur Abhilfe gerügter Mängel an's Herz legen. Wer ernst über das oben Gesagte nachdenkt, dem wird es schließlich gehen wie mir, den werden die traurigen Zustände in vielen Dorfgemeinden jammern, und wenn der Gedanke der Vereinsgründung seinen Weg findet in einige große , edle jüdische Menschenherzen, wenn diese dann Hand an's Werk legen und ihre Mitbrüder alle in Stadt und Land auffordern Lu dem großen Werk, dann wird der Segen Gottes zum Heile unserer Stammesgenossen nicht ausbleiben. *) Frankfurt, im December 1882. Salomon Levy. Krakauer Wriefe von Dr. Duscha f. I. Die polnischen Inden, besonders aber die Krakauer, legen das größte Gewicht auf die Größe ihrer Ahnen, Jichus genannt. Wenn so ein Pole zur Thora gerufen wird, so ist er entweder der Sohn eines Morenu, oder eines More Morenu, oder gar ei.nes Rab. More Morenu. (Synagog. Ehrentitel.) In politischsocialer Beziehung sind zwar, wie die Mischnah behauptet, alle Israeliten Prinzen, damit begnügen sich aber die polnischen Juden nicht, sie behaupten steif und fest, daß Mehrere ihrer Urahnen auf dem polnischen Thron saßen, nnd beharren umsomehr darauf, als die Sage ihnen zur Seite steht. So lebt im Munde des polnischen Volkes folgende Königssage: Mit dem Tode des Königs Popiels — dem sagenhaften Zeitalter angehörend — wurde der Thron Polens erledigt. Auf der Versammlung zu Krüszwica konnten die Wahlherren über die Wahl eines neuen Herrschers nicht einig werden, und auf Antrag des Aeltesten unter ihnen wurde beschlossen, denjenigen, welcher am nächsten Morgen mit Tagesanbruch zuerst in die Stadt kommen wird, als König zu begrüßen. Vier Wachen wurden an den Ecken der zur Stadt führenden Brücke aufgestellt, um zu berichten, wer zuerst in die Stadt kommen wird. Da ereignete es sich, daß der Jude Abraham, welcher Pulver nach der Stadt einführte, und daher der Pulvermeister (Prochownik) benannt wurde, mit Tagesanbruch der Stadt zueilte. Mit Jubel begrüßte ihn die Wachen und begleiteten ihn nach der Stadt, wo er zum Könige ausgerufen wurde. Doch Abraham schlug die ihm angebotene Krone aus Als er aber sah, daß die Wahlherren bei ihrem Beschlüsse beharrten, erbat er sich einen Tag als Bedenkzeit, um im Gebete Gott zu Rate ziehen zu können. Er verbot aber strenge ihn in seiner Andacht zu stören. Zwei Tage und zwei Nächte waren bereits verflossen, und Abraham erschien nicht. Als er am Morgen des dritten Tages nicht erschienen war und die Ungeduld der harrenden Menge laut zu werden anfieng, erhob sich der Landmann *) Wir bitten alle diejenigen, die Erfahrungen welcher Art auch immer nach dieser Seite hin gesammelt haben, uns mit ihren Mitteilungen zu erfreuen. Wir haben die Diskussion über diesen hochwichtigen Gegenstand um so lieber eröffnet, als uns auch viele Vorschläge, Wanderlehrer und Wanderprediger betreffend, zugegangen sind. Red.