Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-01-01 · Heft 1 (1.1.1883) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (1.1.1883)
Date
1883-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969700--0635-2971063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

11 empfiehlt sich endlich, mit der größten Vorsicht und Verschwiegenheit vorzugehen, damit kein Rumor entsteht. Wenn Sie, wie angegeben, verfahren sind, wollen Sie mir Bericht erstatten und mir die Papiere, welche dem Giordano abgenommen sind nebst den Unterhandlungen zwischen ihm und den Juden von Ancona übersenden, damit ich dem heiligen Vater vorstellen kann, mit welcher Genauigkeit Sie seine hohen Befele ausgeführt haben. Indem ich mir Alles von Ihrer Weisheit verspreche u. s. w. Msgr. Bischof von Ascoli antwortete dem Monsignore Aasessore del S. O. in Rom, er habe den Giordano zu sich berufen. Nachdem er ihm eine scharfe Ermahnung erteilt und ihm die betreffende Weisung gegeben, habe er seinen Sekretär in dessen Haus gesandt und alle auf die betreffende Angelegenheit bezüglichen Papiere wegnehmen lassen, darunter auch einen Brief von Giordano an den Drucker 8art0l-i in Ancona, in welchem es sich um den beabsichtigten Druck des Gedichts handelte. Er werde Alles in einem Schreiben einsenden, habe es aber für Pflicht gehalten, zunächst über das zu berichten, was er gethan habe. Der jüdische Weligions-Mnlerrichi in den Dorfgemeinden. Einer der größten Krebsschäden des jüdischen Kulturlebens ist der Religions-Unterricht auf dem Lande. Denkt man an die Rabbinen und Religionsjehrer in großen Stadtgemeinden, sieht man den systeinatisch geordneten Religionsunterricht auch der kleinsten christlichen Dorfgemeinde, so kann man sich einerseits nicht genug darüber wundern, daß die Städter, welche häufig einen so großen Ueberfluß an geistig - religiöser Nahrung haben, so wenig an diesen Mangel unter ihren Brüdern auf dem Lande denken, während sie doch für die augenblickliche körperliche Not stets zu geben bereit sind, andererseits mutz man über den Mangel an Beschämung unter den Stadtjuden staunen, wenn sie ihre ländlichen Mitbrüder etwas näher in Augenschein nehmen. Und doch, wie oft hört man den israelitischen Städter geringschätzig über den Landjuden sich aussprechen! Welche Summe von Verachtung hat er oft für ihn! Und er denkt nicht einmal darüber nach, daß er für seinen kulturellen Zustand eine große Verantwortung trägt! In Zeiten wie die jetzigen wird der ungebildete Jude als Typus für die ganze jüdische Nation angesehen. Alle Transaktionen, welche im Geschäftsleben von unsaubern Landjuden ausgeführt, mehr oder weniger den Stempel der Uebervorteilung oder der unsittlichen Plusmacherei tragen, sie werden uns Allen an die Rockschöße gehängt und wir müssen schwer dafür büßen. Dies muß ein Ende nehmen und wir Juden haben dafür zu sorgen. Der gebildete Jude muß auf den ungebildeten reagieren. Die Stadt kann und muß dem Dorfe beispringen. Der Dorfjude ist nur gezwungen Dorfjude. Ehedem hat er in den Städten wie jeder andere Jude gewohnt, wurde aber von da vertrieben, und hat in dem harten Kampf um's Dasein seinen! angeborenen Talent zum Handel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.