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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-01-01 · Heft 1 (1.1.1883) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (1.1.1883)
Date
1883-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 einen Gott und eine Moral gegeben. Der Name Jude muß unser Ehrenschild sein. Es muß immer mehr die Erkenntnis sich Bahn brechen, daß so wie wir in unseren ästhetischen Gefühlen von den Griechen, so in unseren religiöisen Gefühlen von den Juden abhängig sind. Und so denken und fühlen auch die christlichen Völker in den Grundzügen echt jüdisch und werden sich Männer wie Dühring vergebens bemühen, diesen Grundzug der Cultur aus der Menschheit zu streichen. Was haben die Juden nicht alles geleistet. Den spanischen Juden verdankt man die Bekanntschaft mit den Schriften der griechischen Philosophen und Spinoza, der gerechte Stolz des jüdischen Volkes in der modernen Zeit war von größtem Einflüsse auf die Philosophen und Denker nach ihm. Es war freilich mit in der heilsgeschichtlichen Bedeutung des jüdischen Stammes gelegen, daß man jeden Funken, der reine Flammen verhieß, erstickte, daß man die lebenden Denker verbannte, um sie dann tot zu verherrlichen. Ist es doch so weit gekommen, daß die Pseudoorthodoxie sich auf Moses Mendelssohnberuft undihn den ihren nennen möchte, dessen Pentateuch-Übersetzung ihre ehrlichen naiven Vorgänger in den Bann thaten. Hier ist vielleicht ein Stammesfehler zu erkennen, der endlich abzulegen wäre, wenn wir anders von der Geschichte uns erziehen lassen wollen, deren Lehren wahr und segenbringend sind. Wir müssen mit dem Judentume Ernst machen, Liebe und Hingabe an das Judentum an den Tag legen, dann werden an Stelle des Hasses und der Hintansetzung von Seiten unserer Mitmenschen uns sicher Liebe und Achtung zu Teil werden. Das pharisäisch-zadducäische Bündnis, um das Gute zu vereitle«, muß ein Ende nehmen und der Wahrheit muß sich eine Gasse bahnen. Aber um solch bessere Zustände herbeizuführen, müssen die Bessergesinnten wie ein Mann zusammenstehen, und nur die Presse wird jene Einigkeit herbeiführen, die stark macht und die Zerstreuten zu einer fest geschlossenen Schaar verbindet. Und wie früher die Juden durch die Ketten des Druckes sich zusammenhielten als ein einiges Ganzes, so soll jetzt die freie Presse, das offene, ehrliche Wort, die Getrennten verbinden, die Zerstreuten einen, die Abgefallenen zurückführen und die Neuzukommenden mit jener Stärke ausrüsten, die not thut im Kampfe für die Wahrheit. Der Verfasser hebt hervor, daß ein großer Teil unserer Glaubensgenossen in einem moralischen Moraste stecke. Bannen und verstoßen wir die elenden Wucherer, sie seien Juden oder Christen, bedenkend, daß schlechte Subjekte kein Monopol irgend einer Race oder Confession sind, aus unserer Mitte, halten wir uns im Umgänge von ihnen ferne, betrachten wir sie als den Aussatz im Lager der Menscheit. Wer mit einem Wucherer umgeht, auf den falle Schmach, denn es ist Pflicht, einen Wucherer der öffentlichen Verachtung Preis zu geben. Wir müssen dem Volke in unzweideutiger Weise zeigen, daß wir mit diesen elenden Individuen nichts gemein haben, die, den Gesetzen der Religion nnd der Humanität hohnsprechend, Mitmenschen ins Verderben bringen Fördern wir den Ackerbau, der Seele und Körper stärkt und unterstützen wir die Eltern, die ihre Kinder dem ehrlichen Handwerke zuführen. Abgethan muß endlich werden die Unbescheidenheit, jene erbärmliche Frechheit und jenes sich vorwitzige Vordrängen, jene Geistesverachtung, die an alles Ideale den Maßstab des praktischen Nutzens anlegt. Ja die jüdische Presse soll die Richterin in Israel sein und ohne Zagen und Scheu die Gebrechen und Fehler der jüdischen Gesellschaft aufdecken und die Schuldigen schuldig nennen. Wir muffen aufhören Fehler zu vertuschen und sollen den Schlechten nicht beistehen, wenn sie sich auf unsere Solidarität berufen. Es hat überhaupt unter den gegeben Verhältnissen augenblicklich jede Solidarität aufge-

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