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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-01-01 · Heft 1 (1.1.1883) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (1.1.1883)
Date
1883-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 reine Gotteserkenntnis zu verbreiten. Es ist gleichsam, als würde das Judentum neben den, Christentume und bem Jslame, seinen beiden Sendlingen an die Heiden des Westens und Ostens, niitgezogen sein, um, wenn die Zeit gekommen, und das Heidentum vollständig überwunden sein wird, seine ganzen Schätze der Menschheit hinzulegen, damit sie sich daran erhebe und anfrichte. Wir haben daher keine gegnerische Stellung zum Christentume und zum Jslame einzunehmen und werden nie die große welthistorische Sendung und Bedeutuug eines Christus und Muhamed verkennen, wenn wir auch der Ansicht leben, daß wir noch einst die Aufgabe haben, in der wichtigsten Frage der Menschheit, der religiösen, ein bedeutend Wort mitzusprechen. Die ganze moderne Civilisation leitet sich vorzüglich von den Juden und von den Griechen ab und der Juden Anteil an der Civilisation ist der erhabenere, wenn auch nicht der glänzendere. Die meisten Israeliten haben aber auch keine Ahnung von der Bedeutung des Judentums, ja es geht ihnen zumeist hiefür jedes Verständnis ab. Diesem Mangel muß abgeholfen werden. Die Juden müssen mehr durchdrungen sein von der Bedeutung des Judentums. Ein großer Teil unserer Glaubensgenossen vermag den reinen Gehalt des Judentums nicht zu erfassen und klammert sich an eine Menge zum großen Teile sinnloser religiöser Satzungen und Bräuche. Das Judentum leidet darunter, daß diese Bräuche zum Dolch in der Hand des jüdischen Geistespöbels und der Heuchler werden, mittelst dessen sie jedes bessere Streben niedermachen wollen und oft können. Es fehlt darum den jüdischen Zuständen der aus der Wahrheit stammende Schwung, überall sind mit der Lüge verwachsene Engherzigkeit, oft auch Listigkeit und Verschmitztheit zu finden. Charakter in Religionssachen gilt für lächerlich. Ignoranten und Volksschmeichler führen gleich den Lügenpropheten in den Tagen der Könige das große Wort, und das lebendige Gewissen des Volkes, das soll schweigen. Man vergesse ja nicht, daß die Menschen, mit denen wir leben, uns scharf in's Auge nehmen, und daß jede Spur von Achtung vor uns schwinden muß, die man ohnehin nicht geneigt ist, uns so leicht zu geben, wenn wir unsere Religion so entstellen und zum Spotte der Gebildeten machen. Tüchtige ehrliche Worte sollten durch die Presse, in alle Sprachen übertragen, Eingang bei allen Bekennern des jüdischen Glaubens finden und dadurch den Weg zum Heile bahnen helfen, dadurch das Bewußtsein von der Mission und der Bedeutung des Judentums gekräftigt werden. Die Juden haben gezeigt, wie viel Geld sie auf den Altar hinlegen können, ans dem die Opfer ihrer Glaubensgenossen bluteten Doch damit allein ist nicht geholfen, mit Geld kann man geschichtliche Bewegungen nicht hemmen, den Geist des Judentums müssen wir wecken und wirken lassen, daß er von neuem anflebe und umgestaltend ins Leben eingreife. Acht haben müssen wir auf die Worte eines alten Weisen, daß, wenn wir nicht die Mittel beschaffen, die die Geisteswege ebnen, wir dann die Mittel hergeben müssen, um Unglück abzulenken. Was geschieht aber in Israel jetzt um das Volk für das Judentum zu begeistern, um seinen hohen Gedanken lebendige Gestaltung zu geben? Nichts. Und wahrlich die Religionsgeschichte der Juden ist wohl geeignet, als die älteste und glänzendste von Europa, Begeisterung und Teilnahme zu wecken und mit Thatkraft und Eifer zu erfüllen. Männer aus der Mitte unseres Volkes standen auf den lichten Höhen der Kultur und haben der Menschheit die Pfade erhellt, als noch die Urahnen der Adeligen in Europa gleich wilden Tieren in Urwäldern hausten. Wir müssen, uns auf unsere Mission besinnend, auf den Namen „Jude" stolz werden, stolz, daß wir Abkömmlinge und Sendlinge jener Märtyrer sind, die der Welt

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