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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-01-01 · Heft 1 (1.1.1883) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (1.1.1883)
Date
1883-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 und kann nicht untergehen, so lange die ihm von Gott gestellte Mission nicht zu Ende ist, und die Juden sind oder sollen wenigstens dazu berufen sein, die Vertreter der Ideen, die innerhalb des Judentums lebendig sind, inmitten der Völkerwelt zu sein. Die Idee des reinen Judentums hat zwar immer nur im Laufe der Geschichte einzelne Geister erhellt, einzelne Herzen durchglüht. Aber es handelt sich eben darum, ob die Männer von solchem Geiste und mit solchen Herzen gleichsam die Augen des jüdischen Volkes gewesen, oder ob es, mit Blindheit geschlagen, seine Geister verleugnet, seine Herzen ertötet hat. Wir müssen uns rühren und rüsten für den Kampf, soll uns der Sieg zufallen und die Zerrüttung muß ein Ende nehmen, die in hohem erschreckendem Grade uni sich gegriffen. Zweifelsucht, religiöser Jndifferentismus auf der einen und Obscurantismus und Zelotismus auf der anderen Seite, ja was noch viel ärger und gefährlicher, beide wie Zadducäismus und Pharisäismus vor der Zerstörung Jerusalems im engsten, wenn auch unnatürlichen Bunde miteinander, lähmen jeden Aufschwung zum Besseren. Sehen wir uns in diesen Kreisen um. Wir sehnen uns da nach Wahrheit und finden Lüge, nach Licht und finden Finsternis, nach Recht und finden Frevel, nach Weisheit und finden Thorheit, nach Gutem und finden Böses, nach Einheit und finden Zerfarenheit, nach Ehrlichkeit und finden Falschheit, nach Eifer und finden Lässigkeit, oder Eifer höchstens, wo er am wenigsten an seinem Orte ist. Die jüdische Wissenschaft und die aus ihr stammende Reform des Judentums, der wir die wohl verdiente geachtete Stellung verdanken, wurde, so hat es den Anschein, nur als Mittel zur Emanzipation, nicht als Selbstzweck betrachtet. Wie anders läßt es sich sonst erklären, daß man die Reform, weil sie positiv wurde und Ernst, Eifer und Hingabe verlangte, von sich wies und auf alle mögliche Art befehdete, wie Etwas Verächtliches bei Seite stieß, und der Lüge und dem Wahne bereitwillig Thür und Thor öffnete? Man baut Altäre dem Überwundenen und will mit starrer Consequenz alte überlebte Formen aufrecht erhalten, für die man selbst nichts fühlt und mit der eine gebildete Generation sich nicht befreunden kann und die Lehrer des Volkes haben zumeist aufgehört, Hüter und Wächter des göttlichen Wortes zu sein, sie sind zu Dienern und Knechten, herabgewürdiat worden. Das jüdische Wissen ist geschwunden. Nichts als Öde, dumpfe Ode, gähnt dem ernsten Beobachter im ganzen Lager Israels entgegen und das Judentum wird so von einem Teile der Juden mishandelt, verzerrt, bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Nun, der Zauberstab, welcher die Wunderkraft besitzen soll, die Schäden zu heilen, ist das geschriebene Wort, das auf den Flügeln der Presse zu den Israeliten eilen soll, um sie zu wecken, zu beleben, zu begeistern, zu veredlen. Die Presse soll die Hindernisse des Raumes überwindend, ein festes Band der Einigung um die von den gleichen Ideen erfüllten Israeliten schlingen und bahnen helfen den Weg, der zu den Idealen führt, nach denen aller Edlen Blick gerichtet ist. Was der Herausgeber eines jüdischen Blattes, wenn es nur bestandfähig sein soll, zu kämpfen hat, davon wissen die Redakteure zu erzählen und es ist wahrhaft bewundernswert, mit welch' unverdrossenem Eifer die Herausgeber jüdischer Blätter auf ihrem Posten ausharren. Und doch sind die jüdische Wissen- K und die jüdische Presse dazu berufen, das Bewußtseiil des Judentums und ' Bedeutung bei seinen Bekennen: zu erwecken und zu beleben. Die Literatur der Juden hat zum großen Teile einen religiösen Charakter, wie denn auch die Aufgabe des Judentums unter allen Umständen bleiben wird und bleiben muß, 1*

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