Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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287 nur Diejenigen, welche von dem Geiste eines Jesaia, eines Jeremia berührt sind, haben Begeisterung, die zündend wirkt. Die Pseudoorthodoxie, die sich jetzt überall breit macht, wird nie einen bedeutenden Kanzelredner aufzuweisen haben, weil rethorische Kunststücke nicht das Herz der Hörer ergreifen und weil eine Sprache, die die Wahrheit flieht, nie den Geist erhellen kann. Jellinek's Verdienste liegen aber auch außerhalb der Kanzel, da er als bedeutender Kenner der mannigfachsten Disciplinen der jüdischen Wissenschaft sich bedeutende Verdienste erworben. Jellinek gehört der philosophisch-historischen Schule an, die eine Reform des Judentums in Wissenschaft und Leben angebahnt und allen seinen Schriften und Worten merkt man es an, daß er vom Geiste der Philosophie und Poesie erfüllt ist, was dem Redner und Schriftsteller die echte Weihe gibt. Jellinek hat viele Schriften über Kabbalah, Religionsphilosophie und Rethorik herrausgegeben und alte Midraschim von unschätzbarem Werte an's Tageslicht gezogen. Er beschäftigte sich mit der Sprache der Rabbinen, mit der Geschichte des Talmudstudiums und ist nicht nur ein Bibliophile, wie selten einer, sondern zeigt auch in seinen jüngst erschienenen bibliographischen Studien umfassende Kenntnis auf diesem Gebiete. Nicht genug zu rühmen ist Jellinek's locale Thätigkeit in Wien für die jüdische Wissenschaft durch das „Beth-Hamidrasch", welches auf seine Anregung gegründet wurde, an welchem gelehrte Männer, wie der fei. Szänto, lehrten und an dem hervorragende Talmudisten und Kritiker, wie Weiß und Friedmann dauernd thätig sind, denen die jüdische Wissenschaft hervorragende Schriftwerke verdankt, die als richtunggebend sich erweisen. In der Schrift, „der jüdische Stamm", zeigt sich Jellinek als feiner Beobachter und tüchtiger Kenner der jüdischen Volksseele, wie er denn auch in seinen jüngst erschienenen Schriften, „Der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern", die Völker belauscht und neue Schlaglichter auf die geistigen Beziehungen der Juden zu den Völkern wirft. Sehr dankenswert ist das der Brochüre beigegebene Bild Jellinek's. Möge diese Schrift, welche uns einen der bedeutendsten jüdischen Theologen der Gegenwart in seinem segensreichen Wirken und Schaffen vorführt, viele Leser finden, die sich gewiß dadurch zu edler Wirksanlkeit für das Judentum und seine Wissenschaft angeregt fühlen werden. _ (Pari s.) Unter dem Titel „Ilistoire äö la Bible et de l’Exegese biblique jusqu’ & nos jours" („Geschichte der Bibel und der biblischen Exegese bis auf die Neuzeit") hat der Ober-Rabbiner Hr. Wogue, Chef-Redakteur des „Univers Israelite“, einen sehr stattlichen Band erscheinen lassen. Seit 25 Jahren wirkt der berühmte Gelehrte am Israelit. Seminar zu Paris (der vormaligen „6eo1e rabbinique" in Metz) als Professor der biblischen Exegese und mehr als drei Viertel der Rabbinats-Sitze in Frankreich sind durch Männer aus seiner Schule würdig vertreten. Das Werk, welches er hier dem Publikum vorlegt, ist das Resultat seiner längst vorgearbeiteten Vorträge und wohl hätte der würdige Verfasser, wie man daraus ersieht, sich weiter verbereiten können, hätte er nicht besorgt zu weitläufig zu werden und dadurch die einmal gesteckte Schranke zu überschreiten. Von seinen zahlreichen Studien und Forschungen hatten wir nur einen kurzen Abriß, kaum einen schwachen Strahl von den in seiner Übersetzung des Pentateuchs zahlreichen gehaltvollen Anmerkungen; ein Muster in ihrer Art, welche Übersetzung er hoffentlich für die Gesammtbibel uns nicht lange vorenthalten wird. — Einer besonderen Anpreisung des neuen Werkes aus der Feder