Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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285 Neftmte und Willeitungen. (Aus der homiletischen Literatur.) Da» israelitische Kremdengeseh. Predigt am 8. Januar 1881, gehalten von Dr. Adolf Schwarz, Stadtu. Konferenz-Rabbiner. (Karlsruhe, A. Bielefeld's Hofbuchhandlung, 1881. 1b S.) Nachdem in einer Einleitung die echte Freiheit, die jedem Menschen als solchem, gleichviel was er denkt und glaubt, mit der Sonne am Himmel verglichen wird, die auch für die Bekenner verschiedener Religionen nicht verschiedene Strahlen besitzt, geht der Redner zu seinem eigentlichen Thema, dem israelitischen Fremdengesetze, über, durch das die jüdische Freiheitsidee erst in's rechte Licht gesetzt wird. Gleichheit ist das untrügliche Kennzeichen der Freiheit und wer erstere verleugnet ist von letzterer weit entfernt. Diejenigen, denen diese erhabene Lehre als Irrlehre erscheint, schmähen sich selbst und das Volk, in dessen Mitte sie solchen Ideen Geltung verschaffen. Unter den Gesetzgebern des Altertums war Mose der Erste, der die Gleichheit der Menschen ohne Unterschied des Glaubens auf seine Fahne geschrieben, und diese Lehre hat er wahrlich nicht den Ägyptern entlehnt. Die einheitliche Gottesidce ist nicht allein die Wurzel, aus der die auf Gleichheit beruhende Freiheit aller Menschen herauswächst, sie ist auch die Quelle, aus der das wahre Recht erfließt. Wer in dem Menschen das Ebenbild Gottes erblickt, der wird die Macht auf das Recht und nicht das Recht auf die Macht zurückführen. Dieses Recht und die unverkürzte Menschenliebe erstreckt sich nach jüdischer Lehre sogar auf Fremde, wie man uns in manchen Kreisen zu nennen beliebt. Dadurch muß unser Herz vor Freude erglühen, wenn wir auch als Deutsche vor Scham erröten müssen darob, daß der Genius des deutschen Volkes, das Denker- und Dichterfürsten großgezogen durch die Vorkämpfer des Rückschrittes, entwürdigt und entstellt ist. Die Rede über das israelitische Fremdengesetz von Herrn Dr. Schwarz ist eine dankenswerte Leistung auf dem Gebiete der Homiletik, da das Thenia geistvoll behandelt und klar und schön an Form und Sprache durchführt ist. Der Mensch im Mde Gottes. Festpredigt zur Feier des nach 100 Jahren wiedererscheinenden Tages der Kundmachung des ersten der von Kaiser Joseph II. gegebenen Gesetze zur Befreiung der Juden aus der mittelalterlichen Rechtslosigkeit, gehalten am Azereth-Feste 5642 in der Meisel-Synagoge zu Prag von Dr. A. Stein, Rabbiner u. Prediger. Kommissions-Verlag der K. Andre'schen Buch- und Kunsthandlung. Prag 1881. Ausgehend von der Toleranz jüdischer Religionslehrer im Altertume, wornach am Laubhüttenfeste 70 Farren als Sühnopfer für alle Völker der Welt dargebracht wurden, bespricht Redner die Humanität als das höhere Ideal zu dem wir uns erheben müssen. Es ist nur zu empfehlen, daß historische Thatsachen von weittragender Bedeutung von jüdischen Kanzelrednern ihren Zuhörern von Zeit zu Zeit zu Bewußtsein gebracht und besonders hervorgehoben werden. Der 12. Oktober 1781 bleibt ein freudiger geschichtlicher Erinnerungstag in der Geschichte der Juden, denn durch den an diesem Tage ausgegebenen Er-