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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-12-01 · Heft 12 (1.12.1882) · p. Seite 284

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (1.12.1882)
Date
1882-12-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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284 Seit meiner Jugend Tagen Hab' ich in Gottes Worte Geforscht, gedacht, gelehrt; das ist die offne Pforte, In die kann Jeder treten mit Kraft und festem Willen, Mit göttlichen Geboten die Seele zu erfüllen. Verwegen wär' es, wenn ich den Männern gleich mich stellte, Bei denen ihren Geist ein Gottcsstrahl erhellte, Und deren Blicke drangen durch ferner Zukunft Nacht, Dem Volke anzukünden, was Gott für es vollbracht. Und doch — o selt'ne Schickung, im Traum ein Bild ich sah, Heut Morgen, als schon Frührot dem Saum der Erde nah, Ich sah zurück Euch kehren: Ihr hattet der Ritter drei — Die Übrigen gefallen, der Kreuzzug war vorbei. — Es wird Euch nicht gefallen, was heut mein Aug' erblickt, Ich künde Euch das Traumbild, das mir ward zugeschickt. Ob Ihr darob auch zürnet dem unterthän'gen Knechte, Ob Jhr's für Lüge haltet — Gott weiß allein das Rechte". Entrüstet spricht der Herzog: „Soll das den Mut mir beugen? Ob Wahrheit du gesprochen, die Zukunft wird es zeigen. Doch komm ich einst zurücke und Hab der Reiter vier, Das lügenhafte Traumbild, du sollst es büßen mir". Von dannen zieht der Herzog, durch Länder hin, durch Meere, Und Raschi pfleget weiter der alten Gotteslehre. Kund thut den Ruhm der Franke» der Herzog von Bouillon, Es rastet nicht im Forschen der weise Salomon. Neun Jahre sind vergangen in hartem, blut'gem Strauß, Der Herzog kehret wieder zum heimatlichen Haus, Nicht freudig wie er auszog, unmutig und verdrossen, Und traurig des Verlustes der tapferen Genossen. Er nahet Worms, der Reichsstadt, und hat der Reiter vier, Da sagt er sich im Zorne: Du sollst es büßen mir, Du lügenhafter Träumer, du sprachst: Du hast nur drei, Kehrst du zu mir, wenn einstens der Kreuzzug ist vorbei". Durch's enge Stadtthor reiten sie nacheinander ein, Da hemmet der Ersten Schritte ein kläglich Jammerschrei'n. Das Gitter ist gefallen, den Vierten hat's erschlagen, Laut schallen ob des Unfalls der andern Drei Wehklagen! Erschüttert denkt der Herzog an Raschi's Prophezeiung Will sich von ihm erbitten für seinen Zorn Verzeihung. Doch an dem kleinen Hause wird trauernd er empfangen: „Soeben ist zu den Vätern der Rabbi eingegangen".

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