Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 283 — Und vor dem kleinen Hause die Ritterschaar macht Halt, Sich bückend durch die Pforte erscheinet die Gestalt Des Gottfried von Bouillon, des Fürsten wohlbekannt, Der zu dem Zug sich rüstet nach dem gelobten Land. Der Rabbi und die Schüler sich von den Sitzen heben. Was Gottes Fügung bringe, erwarten sie ergeben, Verehrend — also fasset die Vorschrift das Gebet— Im Glanz des Erdenherrschers des Höchsten Majestät.***) „Was ist's, daß ihr so bleich seid, ihr furchtsames Geschlecht? Der Mann, der vor euch stehet, erkennet ihr ihn recht? Wird von Bouillon der Herzog mit Raub und Mord beschämen Den Zug zum heil'gen Grabe, den er will übernehmen? Ja Schmach ist es gewesen, es fei erkläret offen, Was bei uns Euren Stamm jüngst durch Pöbelschaar betroffen, Die ihre Kreuzeswallfahrt mit Eurem Blut befleckt, Nach fremdem Gute hatte die Hände ausgestreckt.— Zu dir, du großer Rabbi, geleitet mich mein Weg, Schick' deine Schüler Alle auf kurze Zeit hinweg, Ich möchte ohne Zeuge» mit dir etwas besprechen- Kennst du die dunkle Zukunft? Kannst du ihr Siegel brechen? Du bist als heil'ger Lehrer in Lothringen bekannt, Der von jeher der Weisheit Geheimnis wohl verstand, Du wirst auch wohl verstehen, was in den künft'gen Jahren Mit mir einst wird geschehen, niir heut zu offenbaren. Zum Kriegeszug — du weißt es—, den ich mir vorbedacht, Steht vor mir da gerüstet des großen Heeres Macht, So Reiter wie auch Fußvolk, geübt und kriegesfertig, Gehorsam inir allein und meines Winks gewärtig. Und doch steht es geschrieben in Gottes heil'gem Worte, Daß nicht des Rosses Stärke aufthut des Heiles Pforte Daß nicht die Macht des Heeres den sichern Ruhm verbürgt, Nur Gottes Wille ist es, der uns den Sieg erwirkt. Nun sollst du, heil'ger Rabbi, für mich den Gott befragen, Dem du den Dienst geweiht hast in allen deinen Tagen, Ob ich werd' ungefährdet von diesem Zuge kehren, Und ob Er meinen Fahnen will Sieg und Ruhm gewähren". Raschi in tiefem Sinnen senkt seine Augen nieder, Dann hebt nach langem Schweigen er sie zum Ritter wieder: „Was Ihr begehrt, Herr Herzog, geht über meine Kraft, Wann hätt' ich geheimer Weisheit Erkenntnis mir verschafft? ***) „Gepriesen, der von seinem Glanze den Sterblichen mitgeteilt", Benediktion beim Erblicken eines Herrschers. 24*