Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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281 Ja, wir leben! Der deutsche Jud' erglüh Für Deutschlands Heil und Ruhm. Sein Judentum erblüh' Zum echten Menschentum. Wascht*) und Gottfried von WouMon.**) In Worms, der alten Reichsstadt, lehrt Rabbi Salomon, Bekannt mit Namen Raschi, das heißet „Jsak's Sohn" Der Lotharinger Größter, die jene Zeit erzeugte, Als Karl des Großen Sippe zum Untergang sich neigte. Heil dir Troyes, du Kleine, du hast den Mann geboren, Den seltne Geistesgaben zum Meister auserkoren, Heil dir, du Held vor Allen, Salomo Jsak's Sohn, Zwar nicht auf blut'gem Schlachtfeld, doch aus den Geiste- Thron! Was in des Jordan's Auen, was dort in Babylon Vorlängst gefördert worden, vergessen wär' es schon, Wenn an des Rheines Ufern die nicht erstanden wären, Die alte Weisheit wußten, der Jugend zu erklären, Der Gotteslehre Pforten dem Schüler zu erschließen, In täglich neuer Andacht Israels Hort zu grüßen, Den Sinn des kargen Spruches verständnisvoll zu deuten, Der Übung des Gesetzes den Boden zu bereiten. In Worms ist aufgegangen der ersten Größe Stern, Ihm strömen Schüler zu von nahe und von fern, Vom überkommnen Gute ein Teil sich zu erwerben, Drei Tochtersöhne drunter, des hohen Geistes Erben. ***) Wie Regen auf die Felder erfrischend niedersinkt, Und wie der Grashalm durstig des Taues Tropfen trinkt, So sauget mit Verlangen der Lernbegierigen Runde, Die unerschöpften Lehren aus dem beredten Munde. Nicht wie in weiter Halle einst im Synedrium Im Halbkreis um den Meister sie nahmen Platz herum. Nicht auf dem freien Marktplatz das Lehrhaus war errichtet, Wie aus erhab'ner Vorzeit die Kunde uns berichtet. *) Salomo b. Jsak, genannt Raschi; geboren zn Troyes 1040, gest. zu Worms HOb. **) Schalschelet 49 ab (ed. Ven.) ***) Raschi hatte keinen Sohn, sondern nur Töchter, von denen die eine einen Rabbi Mier heiratete und die Mutter von Jsak b. Meir (Riwam), Samuel b. Meir (Raschbam) und Jakob b. Meir (Rabbenu Tam) wurde. 24