Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Wend an der Mühen besten Teil Zu Deiner unsterblichen Seele Heil. Du hast Dich geschniückt Um Menschen zu gefallen, Da Gott in's Herz Dir blickt, So schmücke das vor Allen. Bist Du klug und reich Thu' Gutes sogleich — Und wende nicht ein Du müßtest erst klüger und reicher noch sein. Vor Sünden schützet — Einsamkeit, Oder edler Menschen Gemeinsamkeit. Dankbar erkenne zu jeder Zeit, Vor vielem Leid bleibst Du befreit Und bist doch, gesteh' es offen, Nicht besser, als die's betroffen. Was Du besitzest, ist nicht Dein, Soll Dir gelieh'n nur sein. Will's Gott, so streichts ein Andrer ein! Darum den Armen nie verachte, Da Dein Verdienst nicht reich Dich machte. Die großen Wunder der Natur vergiß', Ob sie alltäglich auch — nie zu betrachten. Die Meisten scheinen mehr die Sonnenfinsternis Als Glanz und Pracht der Sonnx zu beachten. Das sind Sprüche jüdischer Religiosität von vor vierhundert Jahren. Und wenn wir aufmerksam lauschen den sinnigen Lehren und Mahnungen des jüngsten unter den Heimgegangenen großen Unsterblichen, wenn wir Berthold Auerbach's Schriften lesen, es tönen uns in ihnen immer und immer wieder entgegen die Heimatsklänge jener alten erhabenen Spruchweisheit, jener edlen Sittenlehren, deren Wurzel heißt: Judentum, deren Krone heißt; Menschentum, Humanität. Ich habe ihn eben genannt, den jüngst Dahingeschiedenen, der vor 50 Jahren schon in feinem „Judentum und die neueste Literatur", in seinem „Spinoza", seinem „Dichter und Kaufmann" denkend und dichtend eintrat für seine Glaubensgenossen, der seitdem aus dem tiefem Schacht der deutschen Volksseele das lauterste Gold in herrlichsten Gebilden gefördert. Daß zu dem Stamm er stolzen Sinn's sich zählt, Auf den von je sich tiefste Schmach ergossen, Der unterdrückt, geknechtet und gequält In Zeiten ward die kaum dem Blick entflossen,