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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-12-01 · Heft 12 (1.12.1882) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (1.12.1882)
Date
1882-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 verhindern und durch Bestrafung der Verbrecher der Weiterverbreitung dieser sozialen Pestbeule vorzubeugen. — Man sieht also, daß die Regierung und die Behörden Ungarns, zu ihren: Ruhme sei es gesagt, bei dem ersten fanatischen Ausbruch antisemitischer Ideen etwas gerechter, eifriger und kräftiger aufgetreten sind, als sie es bei anderen an der antisemitischen Krankheit leidenden Ländern gesehen haben. Allein auch an allerhöchster Stelle scheint man gegenüber den eingetretenen Wirren und Gewaltthätigkeiten nicht stille geblieben und der Wunsch nach Ruhe und Frieden kundgegeben worden zu sein. Es ist wahrhaft beglückend für die Juden des Reiches, daß ihr Landesvater sofort, ich möchte sagen als semitische Sonne am Horizont erscheint, sobald dieselbe von den Antisemiten in Gewölk gefüllt wird. Das geht aus Folgendem hervor. In der vor Kurzem abgehaltenen Sitzung des Komitats-Verwaltungsausschusses, brachte der Obergespan Graf Eszterhazy, der nunmehr zum ständigen Regierungskommissär für unser Komitat ernannt wurde, beim Beginn der Beratung die Judenfrage zur Sprache und sagte: Es sei Aufgabe der Regierung und der Wille Sr. Majestät des Königs, daß die Ruhe und Ordnung im ganzen Lande und für jeden Steuerzahler ohne Unterschied der Confession und der Raye aufrecht erhalten bleibe. Deshalb sei, als die Judenkrawalle ihren Anfang nahmen, die Regierung bemüssigt gewesen, zu außerordentlichen Mitteln zu greifen, und habe sie ihn zum Regierungskommissär ernannt. Mit dieser Ernennung erhielt Redner zugleich die Ermächtigung, für den Bedarfsfall das Statarium zu publizieren. Und nachdem der Vicegespan den Monatsbericht über die sattsam bekannten Ereignisse gegeben, fiigte der Obergespan hinzu: Das ist der amtliche Bericht, welcher auf positiven „Daten beruht. Alles Andere, was in der Bevölkerung die Runde machte, ist Übertreibung und geeignet die Reputation unserer Beamten zu Schaden zu bringen und unsere Verwaltung in einem solchen Lichte erscheinen zu lassen, welches umsoweniger wünschenswert erscheint, als Seine Majestät der König es ist, welcher allen seinen Völkern die Ruhe und Ordnung gewährleistet wissen will. Somit haben wir über die schmerzlichen Vorfälle von Preßburg und Umgebung erschöpfenden Bericht gegeben; nur will ich noch hinzufügen, daß, wenn die' erwähnten Obrigkeiten in ihren Reden und Erlässen mit Bedauern hervorheben, daß viele falsche, übertriebene und ungerechte Meldungen über die Größe, die Dimensionen und den verursachten Schaden der Krawalle durch eine allzu geschäftige und sensationssüchtige Berichterstattung nach auswärts gedrungen sind, so können wir als Augenzeugen dem nur beipflichten. — Mittlerweile jedoch haben bereits die judenfeindlichen Ausschreitungen im Lande im ungarischen Abgeordnetenhaus zu einer Antisemiten-Debatte geführt, über welche Vortrag zu halten Minister-Präsident von Tisza von Seiner Majestät nach Wien berufen worden ist. Darüber nächstens. Preßburg, den 15. Oktober 1882. Rabbiner Dr, David.

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