Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 net war, die christliche Bevölkerung gegen die jüdische aufzustacheln, sie zu Gewaltakten aufzureizen und zu ernmntern. Hat er noch das Recht, als Mann der „gesetzlichen Mittel" aufzutreten, scheinheilig die Augen zu verdrehen und zu versichern, daß seine „friedlichen Absichten" von übereifrigen Freunden mißdeutet wurden? Nimmermehr! Wenn der moralische Thäter der Preßburger Ausschreitungen gefaßt und bestraft werden könnte, so gebe es nur einen Schuldigen, den Herrn Ivan Simonyi! Auch die ungarische Presse verurteilt selbstverständlich, und in markigen Worten die trüben Geschehnisse, betrachtet sie für eine Befleckung des Wappens des Landes und der Krönungsstadt und selbst ein notorisches antisemitisches ungarisches Blatt sagt hierüber: Die Stadt Preßburg macht alle Anstrengungen, eine dritte Universität zu bekommen. Nun wir lesen sehr erbauliche Dinge, deren Schauplatz diese „Kulturstadt" seit einigen Tagen ist. — Auch in anderen Städten unseres Vaterlandes hat die antisemitische "Strömung Platz gegriffen. Aber jene dem Ungar angeborene Würde, jenes Selbstgefühl haben es ihn nie vergessen lassen, was er dem Begriffe Mensch schuldig sei^ haben ihn in jedem Menschen seinen Nebenmenschen betrachten lassen, mag er welcher Raoe immer angehören. Ja selbst, wenn er sich offen zum Antisemitismus bekennt, so ist er doch nie mord- und raubgierig oder blutdürstig in seinen Gefühlen. Zum Beil, zum Fokos, wie dies in Preßburg geschehen, greift der wahre Ungar nie. Wir haben keine Angst, daß die übrigen Städte Ungarns in die Fußstapfen Preßburgs treten; weder die antisemitische noch eine andere politische Frage wird durch den Straßenpöbel, der raubt und plündert, gelöst. Deshalb bedauern wir es tief, daß durch derlei mit moralischen und materiellen Schädigungen verbundene Exzesse die Reformbestrebungen auf diesem Gebiete compromittirt werden, ja sogar unmöglich geniacht werden. Denn die Staatsgewalt ist verpflichtet einen bedrohten ja sogar thätlich angenriffenen Teil der steuertragenden Bürger zu verteidigen, ohne Rücksicht darauf, wer eigentlich der Jude ist: der Angreifer oder der Angegriffene. Und wenn es sich darum handelt, die Bürger zu beschützen, so beginne sie nicht damit, Gesetze gegen die Juden zu schaffen, sondern die bewaffnete Macht gegen die Christen aufzubieten. Endlich, sind noch dieser Tage von denk Ober- und Vicegespan des Preßburger Komitats eine Kundmachung und ein Erlaß an die Behörden ausgegeben worden, die sich durch eine besonders energische und die Vorfälle der jüngsten Zeit in schonungsloser Weise verdammende Sprache auszeichnen und in den Juden das Gefühl der Sicherheit nähren und erhalten. Der elftere sagt in seiner Kundmachung: Für das Gebiet der Munizipien der königl. Freistadt Preßburg und des Preßburger Komitates zum Regierungskommissär ernannt, wende ich mich vertrauensvoll an Jedermann, bent die Ehre und der gute Ruf der Stadt und des Komitates am Herzen liegt, mit mir vereint dahin zu wirken, auf daß den Wirren und Unzukönimlichkeiteu, die in einem gebildeten Staate nicht zu dulden sind, ein Ende bereitet werde; speziell fordere ich die Herreu Kirchen- Oberen und Seelsorger, sowie die verschiedenen Vereine, die sich zu edlen und menschenfreundlichen Zwecken konstituirten, auf, nicht zu dulden, daß die Ruhe der Bürger gestört werde, und falls irgendwo oder durch irgend Jemanden Agitationen geschehen würden, mir dies sofort anzuzeigen, damit die Schuldigen die strafende Hand der Gerechtigkeit erreiche. Unter persönlicher Verantwortung verpflichte ich die Beaniten, sowie die Gemeindevorsteher dazu, daß sie außer der bisher wahrgenommenen Pflichterfüllung einen solchen Eifer und nötigenfalls eine