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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-12-01 · Heft 12 (1.12.1882) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (1.12.1882)
Date
1882-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 im Wege der friedlichen Agitation, durch die allgemeine Überzeugung Aller zum Siege zu gelangen, nur der Antisemitismus nicht. Er muß an die Gewalt appellieren, denn er ist die Gewalt. Darum flößen uns die Preßburger Vorgänge zunächst kein anderes Gefühl ein, als das der tiefsten Beschämung. Welch' ein Zeugnis gegen unsere politische Erziehung liegt in dieser Emeute, welche tiefe Wunde schlägt sie dem Stolze, mit welchem wir auf die Jahrhunderte vor uns zurückzublicken uns gewöhnt hatten! Wie hoch steht denn die Menge, welche Gewaltthätigkeiten ohne Ziel, ohne Anlaß, ohne die geringste Provokation verübend, die Straßen Preßburgs durchzog, über den Negern Jnnerafrikas, welche den Fremdling, der sich ihnen naht, töten, weil er ein Fremder ist? Ist dies das Endresultat einer Jahrtausende alten Culturarbeit, und vermochten wir uns nicht höher zu erheben, obgleich wir auf den Schultern von unzählbaren Generationen stehen, die bent Begriff der Menschenwürde höhere Achtung zu bezeigen wußten? Für den Menschenfreund ist es ein trauriger Trost, zu wissen, daß Gewalt durch Gewalt unterdriickt wurde und daß, allem Vermuten nach, auch künftige Exzesse scharfen Repressalien von Seiten der Regierungen begegnen werden. Daß eine Lehre, welche den Grundsatz des gleichen Rechtes für Alle verwirft; daß eine Parole, die jeden idealen Inhalts bar ist; daß der schamlose Appell die tierischen Instinkte im Menschen ohne den Schein des Rechtes, ohne ethisches Feigenblatt die Leidenschaften zu entzünden vermag — das gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen unseres vielgepriesenen Jahrhunderts. Hoffen wir, daß, was geschehen ist, eine vereinzelte Verirrung bleibt. Man müßte an dem Kulturfortschritte, an der Civilisation, an Allem, was die Würde des Menschengeschlechtes ausmacht, verzweifeln, wenn die Massakres von Alexandrien dereinst noch im Abendlande ihr Gegenstück und ihre Rechtfertigung ffnden sollten. Wer aber die Vorgeschichte der hiesigen Ereignisse kennt, weiß wie wahr und schlagend die folgende Verurteilung, die den hiesigen Haman trifft: „Wenn die Bürgerschaft der königl. Freistadt in Verlegenheit sein sollte, wem sie hiefür den Zoll der Dankbarkeit abzustatten hat, können wir ihr die Adresse ganz genau sagen. Die betreffende Deputation braucht sich nur in die Redaktion des „Westungarischen Grenzboten" zu verfügen und das Ehrendiplom dem Eigentümer und Redakteur dieses Blattes Herrn Ivan Simonyi zu übergeben. Diesem Blatt und diesem Manne gebühren alle Ehren des Tages. Freilich ist Herr Simonyi sehr bescheiden geworden, er lehnt heute die Ürheberschaften an den Heldenthaten des Preßburger Pöbels ab und beschwört seine Mitbürger „mit aufgehobenen Händen", die Steine liegen zu lassen und die Fensterscheiben der semitischen Bewohner zu schonen.Ob er die Exzesse gewollt und angestrebt hat oder nicht, von der moralischen Verantwortung für alle Gewaltakte, welche gestern begangen wurden, kann er nicht freigesprochen werden. Er hat soviel zu den Schandthaten beigetragen, daß man füglich sagen kann, er, der Abgeordnete des ungarischen Reichstages, Herr Simonyi, habe die Fensterscheiben zerschmettert, die Wohnungen demolirt, die Läden ausgeraubt und geplündert. In seinem Blatte >var es zu lesen, daß die Juden, wohlgemerkt: die Juden überhaupt, nicht jene von Tisza-Eszlär, zeitweise Christenmädchen zu schlachten pflegen, „zur Auffrischung ihres Blutes"; in seinem Blatte wurden die Juden ohne Ausnahme als „Betrüger" und „Vampyre" geschildert; in seinem Blatte wurde das Judentum eine „Pest und Eiterbeule" der menschlichen Gesellschaft genannt; in seinem Blatte wurde jede Regung des Ratzenhasses mit wohlgefälligem Schmunzeln registrirt. Er hat nichts unterlassen, und alles gethan, was geeig-

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