Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Vorgehen nicht dulden werde. Die Sicherheit der Person und der Habe der Bürger ohne Rücksicht auf Rang, Ratze oder Confessi on zu wahren, ist eine der ersten Pflichten der Staatsgewalt. Es darf nicht geschehen, daß die öffentliche Sicherheit in Folge sträflicher Bemühungen einzelner Agitatoren gestört und dadurch auch der gute Ruf des ungarischen Staates geschädigt werde; es darf aber auch nicht geschehen, daß wegen einzelner Agitatoren, die beim Eintritt der Gefahr in der Regel sich zurückziehen, die Ordnung nur um den Preis des Blutes der Jrregeführten hergestellt werden könne. Ich erwarte daher, daß das Munizipium sofort alle Verfügungen zu dem Zwecke treffe, damit alle auf seinem Teritorium etwa versuchten Agitationen sofort zu seiner Kenntnis gelangen, daß es dieselben im Keime ersticke und die Agitatoren der Strenge des Gesetzes iiberliefere. Ich erwarte, daß das Munizipium die sich hie und da etwa doch zeigenden Unruhen selbst mit Anwendung von Brachialgewalt sofort unterdrücken werde. Ich erwarte, daß über jede in dieser Beziehung gemachte Erfahrung, sowie über die getroffenen Verfügungen mir sofort Bericht erstattet werde. Meinerseits versichere ich das Municipium, daß ich dasselbe mit der ganzen Kraft der Staatsgewalt bei diesem seinem Vorgehen unterstiitzen werde. Die gesummte Presse der österreich-ungarischen Monarchie begrüßte den Erlaß des Ministers des Innern mit warmer Anerkennung, nur bedauert sie, daß derselbe nicht früher, zur Zeit da die Bewegung ihren Anfang nahm, erschiene» ist, und daß die Regierung, der Freiheit allzu freien Lauf lassend, während des ganzen Sommers die Agitation habe offen betreiben lassen. Ebenso sprechen die Journale es einmütig aus, daß die Vorfälle den Ruf und die Ehre Ungarns schänden und daß hauptsächlich die Meister der Bewegung, die intellectuellen Urheber bestraft werden müßten. Die Urteile der Presse über die Vorgänge sind für die Juden des Landes sehr wichtig und dienen zur Beseitigung ihrer Angst und Aufregung, wie sie die ganze antisemitische Bewegung in Ungarn charaktesieren und beleuchten. Ein hiesiges Journal fragt: „Wer ist der Pöbel?" und läßt sich über diese Frage in folgender Weise aus: Man schiebt alle Schuld auf den „Pöbel"; der „Pöbel" hat exzedirt, der „Pöbel" hat die Fenster eingeschlagen, der „Pöbel" hat sich berauscht, der „Pöbel" hat geplündert. Ja, wo Begriffe fehlen, oder wo man sich scheut, den rechten Begriff bei seinem wahren Namen zu nennen, da stellt zu rechter Zeit ein Wort sich ein. Diesmal Hecht dieses Wort: der „Pöbel". Wir aber sagen: Nein, der Pöbel trägt nicht die Schuld daran, er ist nur das Werkzeug in der Hand des Meisters. Was nützt es, sich des Werkzeuges zu versichern, wenn der Meister nicht dabei ist? Zahlreiche Anzeichen sprechen laut dafiir, daß die Krawalle von langer Hand her vorbereitet wurden; die Exzedenten wurden gedungen, es wurde Geld unter sie verteilt. Wer that dies? Wo sind die Meister? Das ist die wichtigste Frage, die beantwortet werden muß, will man den Frieden und die Ruhe in unsrer Stadt auf die Dauer wieder Herstellen. Gewiß, zu bestimmten Zeiten ist der Pöbel Alles und im Grunde genommen ist er dennoch gar nichts. Er ist nur ein Sprachrohr, hinter dem Andere sprechen; er ist ein Kind, das gelenkt werden muß; er ist eine Bestie, die man im Käfig halten muß. Was nützt Euch das Sprachrohr, das Kind, die Bestie, was nützt Euch der Pöbel? Suchet die „Herren", welche in das Sprachrohr gesprochen, die „Lehrer", welche dem Kinde die Lehren von der „christlichen Nächstenliebe" in's Herz träufeln, die „Tierk