Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Benehmen" der Juden zuschrieben und so von sich Alles abwälzen wollten. - Als aber hier in der Stadt niit großer Mühe und Gewalt die Ruhe hergestellt wurde, ging es in der Umgebung durch Agitationen hiesiger Emissäre gegen die Juden los, die von hier aus Hilft anriefen. In manchen Orten gestaltete sich der Krawall noch gefährlicher und verderbenbringender als hier, so daß der Minister des Innern, da die Krawalle sich weiter verpflanzten, und sich bereits auf drei Städte und vierzehn Gemeinden unseres Komitats erstreckten und große Dimensionen anzunehmen drohten, sich veranlaßt sah, für das Komitat Preßburg das Standrecht anzuordnen, das jedoch nicht zur Publizierung und Anwendung kam, indem seit dem 6. Oktober keine weiteren Tumulte gemeldet und keine Angriffe auf die Juden nachgewiesen werden konnten. Es muß hier in Wahrheit betont werden, daß alle anständigen Bürger und die Lokalbehörden, die wohl den Willen aber nicht die Macht hatten, der Bewegung Herr zu werden, die Excesse auf's Tiefste bedauerten und öffentlich verdammten, und daß besonders Ministerpräsident Tisza, der Minister des Innern für den Schutz der Juden energisch eintrat. Das sind eben die semitischen Lichtpunkte, die durch das düstere, unheilsschwangere Gewölk des Antisemitismus durchschimmern. Die Generalversammlung der hiesigen Stadtrepräsentanz hat einige Tage nach dem hiesigen Aufruhr folgende Resolution einstimmig beschlossen: die Repräsentanz der Stadt Preßburg, als die legale Vertretung der Preßburger Bürgerschaft, spricht hiermit ihr tiefstes Bedauern und ihren lebhaften Abscheu über die gesetzwidrigen Ereignisse der letztvergangenen Tage aus und verdammet auf das Entschiedenste nicht allein die Ausschreitungen einer fanatisirten Volksmenge, sondern auch alle Arten von Kundgebungen und moralischen Aufreizungsmitteln, welche Anstoß zur Erregung der Gemüter und zum Ausbruche dieser verwerflichen Handlungen gegeben. Indem die Stadtrepräsentanz von den Behörden die Anwendung der vollen Strenge des Gesetzes gegen die Schuldigen erwartet, hält ste es fiir die heiligste Pflicht aller wahren Patrioten und aller derjenigen, denen die Würde und Wohlfahrt unserer Vaterstadt am Herzen liegt, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß der Geist der Ungesetzlichkeit unterdrückt und Frieden und Ruhe unter allen Bewohnern für immer erhalten bleibe. Von dem ehrlichen und eisernen Willen den Frieden unter den Confessionen zu erhalten, zeigt aber folgender Erlaß Tisza's. der manchem Staate, wo der Antisemitismus ebenfalls nicht fremd ist, zur Nachahmung dienen mag. Der Minister wendet sich anläßlich der Preßburger Exzesse an sümintliche Münizipien des Landes mit folgenden Worten: Ich bin überzeugt, daß das Munizipium mit Entrüstung Kenntnis genommen hat von jenen schmachvollen Exzessen, welche in der königlichen Freistadt Preßburg unter dem Aushängeschild des Antisemitismus verübt wurden und nunmehr in einigen Gemeinden des Preßburger Komitats Nachahmung gefunden haben. Auch davon bin ich überzeugt, daß das Munizipium sich vollkommen bewußt ist seiner Verpflichtung, ähnlichen Vorfällen auf seinem eigenen Gebiete vorzubeugen, und falls dies nicht überall vollständig gelingen sollte, die vorkommenden Unruhen mit der vollen Energie der öffentlichen Gewalt niederzuschlagen und den Schuldigen gegenüber die ganze Strenge des Gesetzes zur Anwendung zu bringen. Ich meinerseits halte mich im Gefühle meiner Verantwortlichkeit verpflichtet zu erklären, daß ich in dieser Beziehung eine Versäumnis, ein laues, ein energieloses