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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-12-01 · Heft 12 (1.12.1882) · p. Seite 267

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (1.12.1882)
Date
1882-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 Militär unzureichend, zu wenig energisch eingeschritten und gegen die Steinwürfe der Massen ohnmächtig, ja selbst arg bedroht war — und man hat das Bild dessen, was in den Tagen des Aufruhrs und des Tumults Schauderhaftes geleistet wurde. Man ließ die Führer des Antisemitismus hoch leben, man johlte in allen Straßen „Eljen Jstoczy, Onody, Simonyi!", man zertrümmerte Fensterscheiben und zerbrach die Rahmen — auch an den Synagogen beider Gemeinden wurden die Fenster eingeworfen und nur das herbeieilende Militär hat die Absicht der Zerstörung der Synagoge abgewehrt — man demolirte Kaufläden und streute die Waaren auf die Straße hinaus, man goß Spirituosen aus und berauschte sich, man raubte und plünderte, kurz man verbreitete Schrecken und Gefahr, so daß nicht nur die Juden die Nächte in Angst wachend verbrachten und viele Familien sich noch am Feiertage nach Wien flüchteten, sondern daß auch von Seiten der uns wohlwollenden Regierung die energischsten Maßregeln getroffen und ein Kommissär mit den weitgehendsten Vollmachten hierhergesendet werden mußte, der den Truppenstand vermehren, Kavallerie einrücken, Tag und Nacht Militär patrouilliren und über die Stadt einen Ansnahmszustand verhängen ließ. Es erschienen Aufrufe von Seiten des Magistrats, der sich der Gefahr halber in Permanenz erklärte, ebenso von der Handelskammer und von andern angesehenen Bürgern, die die verirrte Menge über das Schmachvolle solcher Excesse aufklärten und zur Ruhe mahnten, ja wir haben sogar seltene, schöne und ergreifende Worte eines Christen zu verzeichnen, nämlich des gebildeten und geachteten Stadtarchivars Herrn Johann Batka, der, als die Volksmenge vor den Kreuzpatern wütete, auf die oberste Stufe der Kreuzpaterkirche sich stellend, mit weithinschallender Stimme an das Volk die Worte richtete: „Im Angesichte dieser Kirche flehe ich Euch an, in Frieden und Ruhe auseinander zu gehen; ich bin ein Christ, wenn ihr ein Opfer haben wollt, so schlaget mich nieder." Allein das Alles wirkte nicht nachhaltig, vermochte die Furie nicht zu bändigen, bis nicht die von dem Regierungs-Kommissär in Anwendung gebrachten äußersten Machtmittel, die einem Staate zu Gebote stehen, die Ordnung hergestellt und den geängstigten Gemütern der Juden Ruhe verschafft haben. Eine Deputation der hiesigen in Gefahr schwebenden Judenschaft erschien bei dem anwesenden Regierungskommissär, Ministerialrat v. Jekelfallussy, der der Chef der Staatspolizei ist, und bat inständigst um Schutz und Hilfe. Er empfing sie auf's freundlichste und verlangte von ihr, daß sie ihm schriftlich die Punkte angebe, deren Erfüllung sie wünsche und deren Gewährleistung sie als genügend für ihre Sicherheit halte. Dies that sie nach einer kurzen Beratung der Delegirten der beiden jüdischen Gemeinden und der Herr Kommissär ist thatsächlich den Wünschen der Juden in den nieisten Punkten, deren sie elf angaben, gerecht worden, und hat die verlangten Vorkehrungen getroffen. Darauf haben die Vorstände der Fortschritts- und der Orthodoxengemeinde an ihre Glaubensgenossen folgenden Aufruf erlassen: „Au die israelitischen Bewohner Preßburgs! Da die israelitischen Einwohner Preßburgs den Schutz der Staats¬ und Kommunal-Behörde genießen, weßhalb sie beruhigt den betreffenden Versuchungen entgegensehen können, fordern wir die israelitischen Einwohner Preßburgs auf, ein zurückhaltendes Benehmen in jeder Hinsicht zu bewahren, überhaupt jeder Bewegung, welche Straßenansammlungen und Zusammenrottungen Hervorrufen könnte, auszuweichen. Diese Aufforderung war deshalb angezeigt, weil viele Böswillige hier alle Unruhen und alle Skandale dem „provokatorischen 23*

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