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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-12-01 · Heft 12 (1.12.1882) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 12 (1.12.1882)
Date
1882-12-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 zählt, der hier wohnt und hier ein antisemitisches Blatt redigirt, welches täglich mit Brandartikel gegen die Juden gefüllt ist, ja auch die Versammlung im schönen Elbe-Florenz mit den acht Thesen Stöcker's und dem Manifest Jstoczy's hat zu der raschen Bethätigung der antisemitischen Grundsätze beigetragen, und der Pöbel in Preßburg, resp. dessen Führer und Hetzer wollten nicht den Erfolg des vom Kongreß angenommenen Manifestes an Europa abwarten, sondern schritten sofort zur That und machten uns durch massenhafte Zertrümmerung der Fensterscheiben, durch Raub und Plünderung klar, worauf eigentlich die Dresdner Beschlüsse Hinzielen und wie sie am besten verwirklicht werden. Die Lehren der Dresdner Reformer als treuer Apostel hierhertragend und verbreitend, erlies Simonyi im Sinne seiner Auftraggeber einen fpaltenlangen, Judenhaß sprühenden Aufruf zu Geldsammlungen für antisemitische Zwecke, der nicht ungehört blieb, und das hat dem Faß den Boden eingeschlagen, die Wut und die Gährung der Massen entfesselt und zum Ausbruch gebracht. Was würde Sachsens letztverstorbener König, der als Kronprinz es einst öffentlich ausgesprochen hat: „Fast schäme ich mich einem Staate anzugehören, in welchem die Israeliten um Gleichberechtigung bitten müssen", zu der entstellten und erdrückten Gleichberechtigung sagen, wie sie in seiner Hauptstadt von Tücke und Bosheit ausgetüftelt, was würde er zu den Früchten sagen, die heute auf seinem ureigenen Boden von heimischen und fremden Elementen, die man eigentlich nicht hätte dulden sollen, gezeitigt wurden? Und es waren wahrhaftig böse Früchte, die man uns diesmal zwang, in den Feststrauß einzuflechten, und' schreckenerregend darf man die Tage nennen, die der Jude gewohnt ist als Freudenfest in der friedlichen Hütte zu verleben. Es waltet ein eigentümliches Gestirn über die alte Krönungsstadt Preßburg und deren jüdische Einwohnerschaft. Im Sturmjahre 1848, im Jahre der epidemischen Revolution war Preßburg die erste Stadt, in welcher man gegen die Juden Sturm gelaufen, und war es an einem Feste, an den letzten Pessachtagen, als sie aus ihrer feiertäglichen Ruhe gescheucht und ihrer Habseligkeiten beraubt wurden — und ich kann bei dieser Gelegenheit nicht mein Staunen unterdrücken, daß mein gelehrter Landsmann, der Liebhaber jüdischer Wissenschaft Herr Heinrich Ellenberg in Budapest, der dieses Jahr ein ausgezeichnetes Handbuch der Geschichte der Leiden der Juden und ihrer Beschützer bis auf die Gegenwart herausgegeben, die Leiden und Verfolgungen der Juden im Jahre 1848 gar nicht erwähnt — diesmal schritt wieder der Preßburger Mob voran, um wieder die jüdische Festesfreude zu vernichten. Denn die ersten drei Nächte des Hüttenfestes waren es, da die tumultuarischen Erhebungen gegen die Juden geschahen, da ihr Gut und ihr Leben gefährdet wurden und die Judenkrawalle in herkömmlicher, avitischer Form losbrachen. — Was lange und von langer Hand vorbereitet tvurde und nur in der Fantasie lebte, das begann in der Nacht des 27. September Blut und Fleisch zu bekommen und wirkte noch die zwei folgenden Nächte fort; eine detaillirte Schilderung der Ereignisse jedoch halte ich, für diese Blätter nicht notwendig, da ja Straßen und Personennamen und andere' Details für ferne Leser kein Interesse haben. Man denke sich den Janhagel losgelassen, mehrere an verschiedenen Punkten auftauchende Pöbelhaufen bestialisch erregt, etwa tausend angesammelte verkommene Menschen von geheimen Agitatoren gegen die Juden aufgestachelt, zum Angriff und zur Raubsucht ermutigt, durch Geld, Wein und Schnaps couragirt, also gemietete und wohlbezahlte Petroleurs; nian denke sich noch die ersten zwei Tage eine ungenügende Gegenmacht von Seiten der Behörden gegen diese entfesselten Elemente, indem das aufgebotene I

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