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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-11-01 · Heft 11 (1.11.1882) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (1.11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 257 (sequence 17)
Language
German
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257 paganda machte, begeisterte sich eine andere Partei für einen zweiten Aspiranten. R. Zebi, der sich durch Charakterstärke vorteilhaft auszeichnete, sah sich ob der ihm zugefügten Kränkungen veranlaßt, das Feld zu räunien und sich in seine Klaus zurückzuziehen, wo er sich ausschließlich mit seinen theologischen Studien befaßte. In Folge seiner immensen Gelehrsamkeit erwarb er sich einen Weltruf. Die entferntesten Gemeinden appellirten in den wichtigsten religiösen Fragen an ihn*). Im Jahre 1710 wurde er von der deutschen Gemeinde zu Amsterdam mit Acclamation zu ihrem Oberrabbiner ernannt. Um diese Zeit fungirte Salomo Ayllon als Chacham der portugiesischen Gemeinde zu Amsterdam, der auf Chacham Zebi nicht sonderlich gut zu sprechen war, weil jener, der ihm geistig weit überlegen war, mit einer gewissen Geringschätzung auf ihn herabblickte. Es dauerte nicht lange und Ayllon bot sich die Gelegenbeit dar, seiner Entrüstung über das stolze Benehmen des neuen deutschen Chacham Ausdruck zu verleihen und jenem bittere Stunden zu bereiter!. Es kam nämlich nach Amsterdam der berüchtigte Erzbetriiger Nehemias Chajon **), urn auch dort im Geheimen für die sabbathianischen Lehren und Grundsätze Propaganda zu machen. Kaum hatte Chacham Zebi von dessen Ankunft erfahren, als er alle Hebel in Bewegung setzte, um diesen betrügerischen Abenterrrer unschädlich zu machen und ihm das Handwerk zu legen. Allein Ayllon nahm sich Chajons an und gewann auch den einflußreichen portugiesischen Vorsteher Aron de Pinto für sich. Irr Folge dessen entstanden furchtbare Zerklüftungen im Innern der Amsterdamer Gemeinden und Chacham Zebi sah sich 1714 veranlaßt, den Schauplatz seiner Wirksamkeit zu verlassen. Er verfügte sich zuerst nach London, dann gierig er über Breslau nach Polen, wo ihm in Lemberg die damals in Erledigung gekommene Oberrabbinerstelle übertragen wurde. Hier wirkte er segensreich bis zu seinem am *) In London waren nämlich in einer Gemeindegruppe — denn auch hier bestanden mehrere — in Folge einer Predigt ihres Rabbiners David Rieto Streitigkeiten ausgebrochen. Dieser Prediger hatte auseinander gesetzt: Daß Gott und das was man die allgemeine Natur nennt (natura natnransein und dasselbe sei. Daran hatten einige Gemeindemitglieder — zweifelhaft ob ehrlich oder nur um Rieto Kränkungen zuzusügen — Anstoß genommen, weil es nach der spinozistischen Lehre klang. Diese halten den Vorstand gedrängt, einen Rabbiirer von Autorität um ein Gutachten anzugehen, ob diese Ansicht rechtgläubig sei Der Vorstand dieser Gemeinde hatte dazu Chacham Zebi auserkoren, mit Uebergehung der näherstehenden portugiesischen Rabbiner von Hamburg und Amsterdam. Chacham Zcbi's Bescheid (1705) fiel zu Gunsten Rietos aus. Sern Gutachten ist verständig gehalten, wenn auch ohne Lpur von philosophischer Kenntnis, welche bei der Beantwortung einer solchen Frage am Platze gewesen wäre. (Vgl. Gr. Gesch. 10. B. S. 354, ferner David Rietos Schrift: de la divina provideucia, o sea Naturaleza universal, o natura naturante, wie Responsen des Chacham Zebi Nr, 13) **) In den Jahren 1703 — 1714 bereiste Nehemias Chaju», ein sabbathianischer Emissär, Polen und Deutschland, um die neue Lehre zu verbreiten und Proselyten zu machen. Er galt für einen großen Kabbalisten, ließ auch ansangs seine Absicht nicht merken, wurde daher in Prag von David Oppenheim, dem damaligen Oberrabbiner daselbst, ehrenvoll ausgenommen, hatte bei dessen Sohn Joieph sein Doiuicil, allwo er auch ein Werk „Dibre Nehemia" — Vorträge und Kommeutationen zum Pentateuch nach Ordnung der Lidras — verfaßte, das er 1713 zu Berlin herausgab. Er verteilte auch Kameoth und soll sogar der vorgenannte Rabbiner Oppenheim eines solchen Schutzblältchens für seine Enkel sich bedient haben, dafür aber voin Himmel bald gestraft worden sein. Nehemia verbreitete auch mehrere von ihm verfaßte kabbalistische Tractate, worüber er aber von Hirsch Aschkcuasi (Chacham Zebi) damals Rabbiner der deutschen Gemeinde in Amsterdam, angefochteu und als Ketzer erklärt wurde. Konnte auch Aschkenasi diesmal nicht durchdringeu, weil Salomo Ayllon Rabbiner der portugiesischen Gemeinde zu Amsterdam, die Partei Nehemias nahm, so wurde Letzterer doch bald entlarvt und von 130 Rabbinen in beit Bann gethan. (Vgl. Klemperers Jonathan Eibeuschitz). 23

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