Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 befohlen hatte, bemächtigte sich plötzlich Mitleidsgefühl, es wäre denn doch schade, so dachte er sich, ein so junges Leben ohne Grund und Ursache schonungslos niederzumachen und begnügte sich blos mit einem Kolbenstreich, den er ihm versetzte und dabei ausrief': „Flieh' junger Hund und rette dein Leben". Durch göttliche Fügung errettet, verweilte er noch einige Tage unter Leichen, und zwar -lag er des Tages wie leblos neben denselben, während er des Nachts sich heimlich herumschlich, um die allernötigsten Kräuter zur Erhaltung seines Lebens sammeln zu können*). Mittlerweile war sein Schwiegervater R. Efraim Katz, Verfasser der Responsen „Schaar Efraim" nach Trebitsch in Mähren gekommen, wo ihm die vacante Rabbinerstelle übertragen wurde. Als R. Efraim von Reisenden, die in der Nähe seines Schwiegersohns gewesen zu sein Vorgaben, erfahren hatte, daß Jakob Aschkenasi gefallen sei, ließ er seine junge liebenswürdige Tochter als Witwe erklären und wünschte sogar sehnlichst ihre baldige Wiederverheirathung. Allein alle Anstrengungen, die er machte, blieben fruchtlos, denn sie behauptete steif und fest, daß ihr Gatte noch am Leben sein müsse. Nach einem halben Jahr gelang es erst dem jungen Jakob Aschkenasi, das Domicil seiner Schwiegereltern zu erreichen. Wie groß, wie unbeschreiblich groß, mochte wohl die Freude und das Entzücken der treuen und frommen Gattin, die mit allen Fasern ihres weiblichen Herzens ihrem Gatten treu anhänglich war, in dem Momente des Wiedersehens gewesen sein, welche himmlische Seligkeit mag wohl der junge geniale Jakob in diesem Augenblicke empfunden haben, welche Feder kann überhaupt das überirdische Wonnegefühl dieser beiden Eheleute schildern? Lange lagen sie fest umklammert in ihren Armen, ohne nur ein Wort sprechen zu können. Das junge Ehepaar lebte im Hause des berühmten R. Efraim glücklich und zufrieden. Es dauerte nicht lange und R. Jakob Aschkenasi wie dessen Gattin Nachama fanden reichen Ersatz für die unsäglichen Oualen und Leiden, die sie bestanden, in ihrem reichbegabten hoffnungsvollen Sohne Zebi, der ihnen im Jahre 1656 geboren wurde. Im Jahre 1666 wurde R. Efraim von der Ofener Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt, daher er mit seiner Familie Mähren verließ und sich nach der Metropole Ungarns verfügte. Hier widinete R. Jakob ausschließlich seine ganze Zeit und Kraft der Erziehung und dem Unterrichte seines geistreichen Sohnes Zebi, dem es thatsächlich in kürzester Zeit gelang, seiner ungewöhnlichen talmudischen Kentnisse halber, die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich zu lenken und ihre Bewunderung in hohem Maße zu erregen. Kaum 18 Jahre alt wurde Zebi Aschkenasi mit der Tochter eines reichen und geachteten Mannes in Ofen verheiratet und dadurch in die angenehme Lage versetzt, seinen Studien sorgenlos und ungestört obliegen zu können. In Folge der Belagerung von Ofen (1686), die ihm seine junge Frau und sein Vermögen raubte, sah er sich genötigt, einen Rabbinerposten in Bosna Scräi anzunehnien; allein hier konnte er sich nicht lange behaupten, da ein gewisser Chajon ihm das Leben verbittert und vergällt hatte. Er gieng nach Europa zurück uud heiratete in Altona die Tochter des dortigen Rabbiners. Hier wurde er Vorsteher einer Klaus, während seine Frau ein Geschäft führte, das sie ernährte. Nach dem Tode seines Schwiegervaters entstanden über die Wahl eines Nachfolgers Streitigkeiten. Während eine Partei für Zebi Aschkenasi Pro- *) Die bedeutensten rabbmischen Autoritäten, die in Folge der grausamen Chmielnickischen Judenverfolgungen Polen zu verlassen sich genötigt sahen, haben in österreichischen und deutschen Genieinden Anstellungen gefunden. Efraim Kohn in Trebitsch, Sabatai Kohn in Holaschau, Samuel Aaron Koidenowar in Fürth und später in Frankfurt a. M. re. re.